• Südsudan

Nach 23 Jahren Sklaverei endlich frei

30. Juni 2021

Unter ständiger Todesangst wurde Adut Atak Deng als siebenjähriges Mädchen in den nördlichen Sudan entführt und versklavt. Während der über 20-jährigen Gefangenschaft betete sie immer wieder, dass Gott sie befreien möge. Die heute 30-jährige Frau ist überglücklich, dass ihre Gebete erhört wurden: Am 12. Februar 2021 wurde sie gerettet.



Adut war mit ihrer Mutter unterwegs zu Verwandten nahe der Grenze zum Sudan, als sie von islamistischen Kämpfern überfallen und gefangen genommen wurde. Die Angreifer, die im Auftrag der sudanesischen Regierung Menschen aus dem christlichen Süden entführten, zwangen die beiden, mit ihnen in den Nordsudan zu gehen. Sie fesselten die Mutter an ihren Händen und schlugen sie. Während des langen Marsches in den Norden lief Adut so zügig, wie sie konnte, damit sie die Kidnapper nicht auch verprügeln würden. «Ich war voller Angst. Denn die Araber drohten gar, uns zu töten, wenn wir nicht schnell marschieren würden», erinnert sie sich. 

Jung und verachtet

Im Sudan wurde Adut von der Mutter getrennt und an den mehrfachen Familienvater Mohamed Ali versklavt. Trotz ihres viel zu jungen Alters musste sie täglich das Haus putzen, das Geschirr waschen und Brennholz sammeln. Obwohl sie hart arbeitete, schlug ihr nur Verachtung entgegen. «Ich erlebte nichts anderes, als von Mohameds Familie beschimpft und als schmutzige Schwarze verhöhnt zu werden», seufzt sie.

Als heranwachsender Teenager musste Adut die häufigen sexuellen Übergriffe durch Mohameds Sohn über sich ergehen lassen. Ausserdem wurde sie zum Islam gezwungen. Mit der Zeit konnte Adut die brutale und herablassende Behandlung der Familie kaum mehr ertragen: «Immer häufiger betete ich zu Gott, mir zu helfen, zurück in den Südsudan zu gehen.»

Unerwartete Wende

Doch es sollte noch Jahre dauern, bis ein sudanesischer Befreier, der im Auftrag von CSI arbeitet, Adut auf dem Markt von Baram, dem Ort ihrer Versklavung, traf. «Er fragte mich, ob ich in den Südsudan kommen wolle. Ich konnte es kaum glauben, musste aber nicht lange überlegen und ging mit ihm mit», beschreibt sie den Anfang der Wende.

Zusammen mit anderen befreiten Sklaven aus dem Südsudan marschierte Adut zwei Wochen lang in Richtung Heimat. Unterwegs mussten sie sich oft verstecken, um nicht von sudanesischen Milizen entdeckt zu werden.

Adut dankt Gott, dass sie als freier Mensch in ihrer Heimat leben kann. Ihr Dank geht auch in die Schweiz: «Danke, dass Sie mir geholfen haben, der Sklaverei zu entkommen.» Mit der Milchziege, dem Sorghum und dem Startsack von CSI kann sie in ihrer Heimat ein neues, vielversprechendes Leben in Angriff nehmen.

Reto Baliarda

 

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