Neue Hoffnung für Bürgerkriegs-Witwen

25. August 2018

Ihre Ehemänner sind im Bürgerkrieg gefallen. Sie selbst mussten um ihr Leben rennen und fliehen. Nun sind hunderte von südsudanesischen Witwen mit ihren Kindern in die Stadt Malakal zurückgekehrt. CSI unterstützt sie mit Nahrungsmitteln und beim Aufbau eines Kleingewerbes.



Malakal, eine Stadt mit rund 170 000 Einwohnern, liegt im Norden des Südsudans, knapp 500 Kilometer östlich von Aweil, wo CSI die befreiten Sklaven willkommen heisst. Doch während Aweil bis heute vom seit fast fünf Jahren andauernden Bürgerkrieg verschont blieb, ist Malakal von den kriegerischen Auseinandersetzungen stark gezeichnet. «Spuren der Verwüstung sieht man hier überall. Der grösste Teil des Marktes von Malakal ist bis heute geschlossen. Es gibt auch kaum Läden, die offen sind. Sämtliche Regierungsgebäude sind stark beschädigt», schildert CSI-Projektmanager Franco Majok seinen Eindruck von der Stadt. Auch der Flughafen von Malakal, der wegen des reichen Erdölvorkommens in der Region der bedeutendste im Südsudan war, ist heute weitgehend zerstört.

Ethnische Differenzen bleiben

Trotz der verheerenden Zerstörung sind tausende von Kriegsflüchtlingen – allen voran verwitwete Frauen mit ihren Kindern – aus der Hauptstadt Juba sowie den Nachbarländern Kenia, Uganda und Sudan nach Malakal zurückgekehrt. Denn seit im Frühling 2017 Regierungstruppen in der Ölstadt stationiert wurden, gilt Malakal als sicher, wie Franco Majok erklärt. Dennoch sind die Spannungen zwischen den verschiedenen Ethnien, die sich im Bürgerkrieg bekämpfen, nicht verschwunden.

Auch deshalb sind die Stämme in verschiedenen Lagern untergebracht: Während die Schilluk und die Nuer in UNO-Flüchtlingslagern leben, hausen die zurückgekehrten Dinka-Frauen mit ihren Kindern in verlassenen öffentlichen Gebäuden. Sie werden durch private Hilfsorganisationen unterstützt. Andere wiederum haben behelfsmässig auf dem Grundstück ihres zerstörten Hauses eine Notunterkunft eingerichtet.

Not weit verbreitet

Die Not in Malakal ist durch die weitgehend demolierte Infrastruktur immens. Bei einem Treffen mit dem Bürgermeister der Stadt erfährt Franco Majok, wie gross der Bedarf an Elementarem ist: Die meisten Familien in Malakal leiden an Mangelernährung und der fehlenden medizinischen Versorgung. Eine Apotheke sucht man in der Stadt vergeblich. Diejenigen, die noch ein kleines Grundstück besitzen, haben weder Saatgut noch Werkzeug, um das Land zu bewirtschaften. Und weil die Wasserversorgung zusammengebrochen ist, müssen alle Menschen das Wasser aus dem Nil trinken, was häufig zu vermeidbaren Erkrankungen führt. Die wenigen Schulen, die in Malakal durch eine einzige Hilfsorganisation («Intersos») betrieben werden, reichen niemals für alle Kinder.

Selbst die Regierungsmitglieder von Malakal sind stark betroffen. Da sie sich keine Autos leisten können, müssen sie zu Fuss zur Arbeit.

Nahrungsmittel und Kleingewerbe

CSI hat in Malakal ein vielseitiges Unterstützungsprogramm auf die Beine gestellt, das allen Bedürftigen ungeachtet ihrer Ethnie zugutekommt. So konnte Franco Majok je 50 Kilogramm Sorghum (Hirse) an über 2000 Familien abgeben.

CSI leistet in Malakal auch langfristige Hilfe. Zusammen mit der örtlichen Partnerorganisation «Women’s Union» (Frauenvereinigung) unterstützt CSI 60 Frauen, damit sie ein Kleingewerbe betreiben können. Auch sie gehören verschiedenen Stämmen an. Die meisten Frauen haben nun einen Marktstand eröffnet und verkaufen Gemüse. Acht Frauen können dank der Hilfe in der Landwirtschaft tätig sein und Gemüse anpflanzen. Weitere acht Hilfsempfängerinnen backen Brot und führen eine Cafeteria.

Viele der unterstützten Frauen haben ihr Kleinunternehmen erfolgreich gestartet und können dadurch ihre Kinder ernähren und sie zum Teil auch in die Schule schicken. Von der CSI-Anschubfinanzierung profitiert auch Achol Nyibong Goyil. Die 45-Jährige hat neun Kinder. Als Malakal 2013 von den kriegerischen Auseinandersetzungen heimgesucht wurde, floh sie mit ihren Kindern in ein UNO-Flüchtlingslager etwas ausserhalb der Stadt. Die selbstbewusste Frau ist überglücklich, dass sie wieder zurück in ihrer Heimat ist und dank der CSI-Unterstützung eine kleine Cafeteria betreiben kann.

Reto Baliarda

 


 

Andauernder Bürgerkrieg

 Am 15. Dezember 2013 führten Kontroversen zwischen dem südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir und seinem ehemaligen Vize Riek Machar zum Ausbruch bewaffneter Auseinandersetzungen, die sich später zu einem ethnisch geprägten Krieg ausweiteten. Salva Kiir ist Dinka, Riek Machar Nuer. Trotz verschiedener Waffenstillstandsabkommen dauern die Kämpfe an. Bis heute sind nach UNO-Angaben mindestens 50 000 Menschen im Krieg umgekommen. Über zwei Millionen Südsudanesen sind in die Nachbarländer geflüchtet. Ähnlich hoch wird die Anzahl intern Vertriebener geschätzt. Während Aweil – wohin CSI die befreiten Sklaven zurückführt – bis heute vom Bürgerkrieg verschont blieb, brachen in Malakal von Anfang an heftige Kämpfe aus.

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Projekt Südsudan