Neues Leben für Waisen von Kandhamal

20. Dezember 2013

Über fünf Jahre sind seit den Pogromen von Hinduextremisten gegen Christen in Kandhamal bereits vergangen. Viele Christen leiden jedoch bis heute unter den Folgen. Besonders verletzlich sind Kinder, deren Eltern umgebracht wurden. CSI unterstützt ein Kinderheim mit Waisen und Halbwaisen.



Basantkumar Digal arbeitete als Prediger, gründete Kirchen und betreute Pastoren. Im August 2008 wurde sein Leben auf einen Schlag völlig auf den Kopf gestellt. Als am 23.  August 2008 der Hindu-Guru (Swami) Laxamananda Saraswati in Kandhamal (Bundesstaat Odisha) umgebracht wurde, machten extremistische Hindus die Christen dafür verantwortlich. In einem mehrtägigen Feldzug verwüsteten sie über 400 von Christen bewohnte Dörfer. Über 50  000 Menschen wurden obdachlos, etwa 100 kamen ums Leben.

Das Schlüsselerlebnis

Viele Christen flüchteten vor dem anrückenden Mob in den Dschungel, unter ihnen auch Basantkumar Digal und seine Familie. Die Hinduextremisten machten gezielt Jagd auf Pastoren, deshalb war Basantkumar besonders gefährdet. «Wir harrten mehrere Tage im Dschungel aus», erinnert er sich. «Im Dschungel sah ich meinen zweieinhalbjährigen Sohn leiden – das brach mir das Herz», sagt Basantkumar und beginnt zu weinen. «Ich musste an all die Kinder denken, deren Eltern getötet wurden. Wie mussten sie erst unter Angst, Kälte, Hunger und Durst leiden! Das war der Beginn meiner Vision: Ich wollte für diese Kinder sorgen.»

Vom Pastorenbetreuer zum Kinderheimleiter

Basantkumar und seine Familie flüchteten mit vielen anderen Christen aus Kandhamal nach Bhubaneswar, der Hauptstadt des Bundesstaats Odisha. Dort lebten sie in einem Flüchtlingslager. Ab 2009 reiste Basantkumar wieder regelmässig nach Kandhamal, um die Pastoren zu ermutigen. Er vergass seine Vision jedoch nicht: Seit 2012 betreuen seine Frau und er sowie drei weitere Mitarbeitende 25 Mädchen, die nach den Pogromen vom Sommer 2008 als Waisen oder Halbwaisen zurückgeblieben waren. «Anfänglich sprachen die Kinder kaum. Sie waren alle so traumatisiert.» Mit viel Liebe und Geduld konnten sie ihr Vertrauen gewinnen: «Sie nennen uns jetzt sogar Mama und Papa», erzählt Basantkumar gerührt.

Von Traurigkeit gezeichnet

Bei unserem Besuch fiel uns ein Mädchen auf, in dessen Gesichtszügen eine unbeschreibliche Traurigkeit lag, die selbst dann nicht verschwand, wenn sie lachte. Basantkumar erzählte uns ihre tragische Geschichte: Das Mädchen heisst Lijanti und kommt aus dem Dorf At-Sindipanka in Kandhamal. Ihr Vater war vor den Pogromen 2008 der Dorfpfarrer. Eines Nachts hörte Lijanti lauten Lärm und christenfeindliche Rufe. Sie, ihre Mutter und die drei Geschwister konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen und beobachteten aus der Ferne, was mit ihrem Vater geschah. «Lijanti musste zuschauen, wie ihr Vater in drei Stücke gehackt wurde», sagt Basantkumar. 13 Menschen seien in diesem Dorf getötet worden.

Vision: Heim für 100 Mädchen

«Viele Christen aus Kandhamal leiden bis heute unter den Folgen dieser dramatischen Ereignisse», sagt Basantkumar. In der Öffentlichkeit gelten sie als die Mörder des Hinduführers, obwohl sich maoistische Rebellen zum Mord bekannten. Christen aus Kandhamal werden selbst in der Hauptstadt des Bundesstaats Arbeitsstellen verweigert. Ihre Kinder werden von Mitschülern und Lehrern diskriminiert und gemobbt – oder dürfen gar nicht erst die Schule besuchen. Deshalb brauchen weitere Kinder einen sicheren Platz. Bereits 2014 sollen 25 Mädchen dazukommen, doch dazu braucht es grössere Räumlichkeiten. «Meine Vision ist es, so bald wie möglich hundert Mädchen aufzunehmen», sagt Basantkumar. CSI unterstützt dieses Waisenhaus seit den Anfängen. Ashish, der Sohn unseres Partners Pfarrer Parichha, ging zeitweise jeden Tag hin und brachte, was noch fehlte: ein Regal, Matratzen oder Bodenbeläge. «Es berührt mich sehr, wie schnell wir dieses Haus einrichten konnten», blickt Basantkumar zurück. Er vertraue Gott, dass auch seine Vision für hundert Kinder verwirklicht werden könne.

Autoren: Projektleiterin Inés Wertgen | Adrian Hartmann

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