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Nigeria: Halsbrecherische Rückwärtsfahrt in die Sicherheit

01. Mai 2020

Islamistische Fulani-Milizen verbreiten vor allem in Zentralnigeria Terror. Doch auch im Süden sind sie präsent: Entführungen – oft verbunden mit hohen Lösegeldforderungen – nehmen zu.



Der Konflikt in Nigeria verschärft sich. Auch Entführungen, um Lösegeld zu erpressen, nehmen stetig zu. Islamistische Fulani-Kämpfer finanzieren so ihren brutalen Feldzug gegen die Christen und ihr Land. Im überwiegend christlichen Süden sind häufig katholische Priester betroffen. Die Fulani-Milizen gehen davon aus, dass die Kirche hohe Summen für deren Freilassung bezahlen wird.

Überfall aus dem Nichts

In den grossen, dichten Wäldern von Enugu finden die Entführer-Banden einen sicheren Rückzugsort, erzählt uns Pfarrer Hilary Mgbodile aus dem Bundesstaat Enugu. Pfarrer Hilary weiss, wovon er spricht: Im März 2019 gelang es ihm nur mit knapper Not, einer Entführung zu entkommen. 

Es war am frühen Samstagabend vor dem Muttertag. Pfarrer Hilary holte in seinem Heimatdorf seine Mutter und seine Schwestern ab, um den Sonntag gemeinsam mit ihnen zu verbringen. Der Heimweg führte sie durch unbewohntes Gebiet. Dichtes Buschwerk säumte die Strasse.

Als Pfarrer Hilary am Strassenrand eine Gruppe von drei oder vier Jugendlichen sah, ging er davon aus, dass sie Cashewnüsse sammelten. «In diesem Moment kamen zwei maskierte Männer mit Gewehren aus dem Gebüsch. Einer richtete die Waffe auf mich und rannte auf mich zu», erinnert sich der Pfarrer. Ohne zu zögern, legte er den Rückwärtsgang ein: «Ich hörte meine Mutter weinen, und alle riefen verängstigt, dass der Mann näher komme. Ich beschleunigte weiter.»

Dank Wunder gerettet

Pfarrer Hilary kann bis heute kaum glauben, dass er entkommen konnte: «Es muss ein Wunder gewesen sein! Ich bin noch nie so schnell und präzise im Rückwärtsgang gefahren», erzählt er. «Die Strasse war so schmal, dass ich mich nicht getraute, zu wenden. Ich befürchtete, im Gebüsch stecken zu bleiben. Also fuhr ich rückwärts, so schnell ich konnte.» Erst nach etwa drei Kilometern getraute er sich zu wenden. Der Schock sass tief in ihren Gliedern, als sie spätabends doch noch wohlbehalten in Pfarrer Hilarys Dorf ankamen.

Morven McLean

 


CSI-Projekte in Nigeria

CSI ist in Nigeria in sieben Bundesstaaten aktiv. Ein wichtiger Teil ist die Unterstützung von Binnenflüchtlingen: Es sind im Nordosten Nigerias hauptsächlich Opfer von Angriffen der Dschihadisten-Miliz Boko Haram, in Zentralnigeria Überlebende der Angriffe islamistischer Fulani-Kämpfer. CSI unterstützt Binnenflüchtlinge mit Nahrungsmitteln und medizinischer Behandlung, bezahlt Schulgebühren und vergibt Mikrokredite zur Gründung von Kleinunternehmen.

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