Norine Brunson im Interview: «Ich litt die ganze Zeit mit Andrew»

24. Januar 2019

Fast zwei Jahre sass der amerikanische Pastor Andrew Brunson unschuldig im Gefängnis. Wie erlebte seine Frau Norine diese schlimme Zeit zwischen Hoffen und Bangen? Wie konnte sie Kraft schöpfen und vor dem Verzweifeln bewahrt bleiben? Norine Brunson im Interview.




«Wir beten für Sie.» Bitte unterschreiben Sie die Ermutigungskarte an Andrew Brunson und seine Familie.

Andrew and Norine Brunson via Stiftung CSI-Schweiz
Zelglistrasse 64
8122 Binz

 

 

Dear Pastor Andrew and Norine

We have followed your case since your unjust imprisonment in Turkey until your release from prison in October 2018. We rejoiced with Christians around the world when the Turkish authorities finally allowed you to go.

Throughout the two years of your imprisonment we prayed God would give you strength and that you would be freed to continue your ministry. Our prayer now is that you will know God’s peace and discover His will for your future. May God richly bless you and your family.

Yours in Christ

Wir haben Ihr Schicksal in der Türkei intensiv verfolgt und mit Ihnen gelitten, von ihrer haltlosen Verhaftung bis zur Freilassung im Oktober 2018. Wie viele Christen in aller Welt waren wir sehr erfreut, als die türkischen Behörden Ihnen die Ausreise erlaubten.

Während Ihrer zweijährigen Gefangenschaft beteten wir, dass Gott Ihnen Kraft gebe, Sie freigelassen werden und Ihren Dienst fortführen können. Nun beten wir, dass Sie Gottes Frieden erfahren und Seinen Willen für Ihre Zukunft erkennen. Möge Gott Sie und Ihre Familie reichlich segnen.


CSI: Norine Brunson, Ihr Ehemann Andrew war zwei Jahre lang wegen haltlosen Anschuldigungen in der Türkei inhaftiert. Wie gingen Sie mit dieser langen Zeit der Trennung, Angst und Furcht um?

Norine Brunson: Das Schlimmste war für mich die Ungewissheit, was als Nächstes geschehen würde. Unter normalen Umständen sagt man: «Das kommt schon gut.» Doch wir spürten bereits zu einem frühen Zeitpunkt, dass sich hier ein geistlicher Kampf auf einer höheren Ebene abspielt. Es war auf jeden Fall ausserordentlich schwierig.

In all dieser Zeit gab es viele Rückschläge. Sie konnten sich als Familie nicht treffen. Haben Sie die Hoffnung nie aufgegeben?

Manchmal war ich nahe daran. Insgesamt vertraute ich schon darauf, dass Andrew freikommt. Doch ich hatte keine Ahnung wann. Wir spürten, wie Gott uns Verheissungen gab, dass er noch einen Plan mit uns hatte. So dachte ich: «Okay, Herr, dann wird Andrew nicht im Gefängnis sterben.» Doch er hätte trotzdem 10 oder 15 Jahre inhaftiert bleiben können.

Sie selbst waren 13 Tage in Ausschaffungshaft. Können Sie diese Zeit beschreiben?

Wir wussten nicht, was geschah. Wir sollten ausgeschafft werden, wurden aber plötzlich eingesperrt. Wir hatten in diesen 13 Tagen keinen Kontakt zur Aussenwelt. Immerhin blieben wir zusammen. Doch die Beamten gewährten uns keinen Anwalt und gestatteten dem US-Konsulat nicht, Kontakt mit uns aufzunehmen. Ausserdem konnten wir fünf Tage lang unsere Kleider nicht wechseln. 

Gott hat uns eine Ernte in der Türkei verheissen. Da dachte ich: Lässt er es deshalb zu, dass wir im Gefängnis sind, damit alle anderen Häftlinge zum Glauben kommen? Auch fragte ich mich, ob wir unsere Kinder jemals wiedersehen würden. Ich sagte zu Gott, dass er sich um unsere Kinder kümmern müsse. Wir konnten nichts tun.

Andrew hat schwer gelitten, physisch und psychisch. Wie hat Sie das als Ehefrau mitgenommen? Schafften Sie es, für ihn stark zu bleiben?

Wir wurden in dieser schlimmen Lage auch reichlich gesegnet. Denn wir wussten, dass Menschen auf der ganzen Welt für uns beteten. Dafür sind wir so dankbar. Ich klammerte mich auch an Gott und verbrachte viel Zeit mit Ihm.

Aber es ist natürlich niederschmetternd, zusehen zu müssen, wie der Mensch, den man am meisten liebt, leidet. Ich litt sehr stark mit Andrew mit. Wir hatten oft dieselben Stimmungsschwankungen.

Sie leiteten zusammen eine Gemeinde in Izmir. Wie konnten Sie sich in dieser schwierigen Zeit gegenseitig ermutigen?

Es ist eine wunderbare Gemeinde. Sie leidet aber unter enormem Druck. Einige Mitglieder haben sie verlassen. Doch jene, die blieben, gingen gestärkt aus der Krise hervor. Ich bin stolz auf unsere Gemeinde, die sehr stark ist und während Andrews Inhaftierung nicht aufgehört hat, zu beten und Gott zu loben.

Sie haben 23 Jahre in Izmir gelebt und wollten eigentlich in der Türkei bleiben. Wie fühlte es sich an, die Türkei zu verlassen im Wissen, dass Sie wahrscheinlich nicht mehr zurückkehren?

Wir waren natürlich sehr erleichtert, endlich frei zu sein. Gleichwohl spüren wir eine Trauer, weil wir die Türkei nicht verlassen wollten. Wir sehen, wie Gott in der Türkei Gros­ses vollbringt und Menschen heilt. Wir freuen uns, dass wir in den USA mehr Zeit mit unseren Kindern verbringen können. Aber wir vermissen die Türkei.

Morven McLean | CSI-Ungarn

 


 

Das sagt Andrew Brunson

«Ich verbrachte zwei Jahre im Gefängnis, ohne zu wissen, dass es zwei Jahre sein würden. Ich hätte auch lebenslänglich hinter Gittern bleiben können. Das war die Forderung der Anklage. Oft wissen wir im Leben nicht, was am Ende herauskommt. Es war wichtig, an Gott festzuhalten und weiter zu hoffen. Aber es war äusserst hart.

Heute bin ich froh, nicht in der Türkei zu sein, weil ich dort im Gefängnis wäre. Doch Gott hat uns die Türkei ins Herz gemeisselt. Das ist der zentrale Punkt, nebst unserer Liebe zum Land und den Menschen dort.»

 


 

CSI-Ungarns Verbundenheit mit den Brunsons

Die CSI-Zweigstelle in Ungarn hat einen speziellen Bezug zu Norine Brunson, die amerikanisch-ungarische Doppelbürgerin ist. Peter Viz, der Leiter von CSI-Ungarn, und seine Frau Tünde haben sich stark für die Befreiung von Andrew Brunson eingesetzt. Zusammen mit anderen Christen beteten und fasteten sie unermüdlich für seine Freilassung. Sie standen in direktem Kontakt mit Norine Brunson. In seiner Radiosendung, die jede zweite Woche auf Radio Maria läuft, rief Peter Viz immer wieder zu Gebet und Fasten auf. Auch sandte CSI-Ungarn eine Petition für Brunsons Freilassung an Ungarns Premierminister Viktor Orbán, bevor sich dieser mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan traf. Familienangehörige des Premierministers bestätigten, dass Orbán Erdoğan tatsächlich um Brunsons Freilassung gebeten habe. CSI-Ungarn

 

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