Pastor von Fulani-Islamisten entführt und angeschossen

28. April 2019

Ein reeller Albtraum der fürchterlichsten Art: Priester Sletien Aniakor wird von Fulani-Islamisten auf offener Straße entführt. Nach zähen Verhandlungen über die Lösegeldsumme wird er freigelassen. Doch er ist bis heute traumatisiert.



Bruder Sletien arbeitet für die katholische Kirche in Ukana, nahe der südnigerianischen Grossstadt Enugu. Bisher galt dieses Gebiet für Christen als relativ sicher, leben doch in Enugu auch viele Flüchtlinge aus dem Nordosten Nigerias, die vor den Dschihadisten von Boko Haram geflohen sind.

Doch islamistische Viehhüter der Fulani, einem Nomadenstamm aus dem Norden, breiten sich zusehends auch im mehrheitlich christlichen Süden Nigerias aus: Sie verüben gezielt Massaker gegen Christen und versetzen sie in Angst und Schrecken.

CSI-Projektmanager Franco Majok besuchte Bruder Sletien in Ukana und erfuhr genau, was passiert war.

Islamisten statt Polizisten

Bruder Sletien erinnert sich, wie er sich nach einer Beerdigung ins Auto setzte, um nach Hause zu fahren. Unterwegs sah er sieben Männer vor sich, die am Strassenrand standen. «Ich dachte, dass es sich bei den Männern um Polizisten handelte, die die Fahrzeuge kontrollierten. Deshalb hielt ich an», erklärt er. Da hörte er, wie die Männer «Allahu Akbar» (Gott ist grösser) schrien. Sletien wusste sogleich, dass er in eine Falle der Fulani-Islamisten getappt war. Zu spät: Die Extremisten rissen ihn aus dem Auto, zogen und sties­sen ihn, bis sie einen Wald erreichten.

Dort wurde Bruder Sletien gezwungen, sein Priestergewand auszuziehen. Die Fulani schlugen auf den wehrlosen Priester ein und verlangten zwei Millionen Naira Lösegeld (rund 5700 Franken). Sie befahlen ihm, seine Familie anzurufen. «Während ich angsterfüllt mit meinen Angehörigen sprach, schlugen sie mich. Ich schrie beim Gespräch mit meiner Familie», erinnert sich Sletien und bemerkt, dass die Fulani-Islamisten mit dieser unfassbaren Brutalität seiner Familie zusätzlich Angst einjagen wollten, damit sie schnell das Lösegeld herausrücken würde.

Missglückter Fluchtversuch mit Folgen

Mitten in der Nacht erwachte der verschleppte Priester und glaubte, dass seine Entführer alle eingeschlafen waren. «Ich versuchte zu fliehen. Doch da hörte ich einen Schuss. Sogleich spürte ich einen stechenden Schmerz in meinem Bein und stürzte zu Boden.» Die Fulani-Islamisten verbanden ihm die Augen und zerrten ihn in ein Dickicht am Ufer eines Flusses. Sie nahmen ihm jegliche Hoffnung auf Rettung, indem sie ihm klarmachten, dass sie sich an einem einsamen Ort befänden, wo niemand vorbeikommen würde, auch die Polizei nicht.

Als «Strafe» für den missglückten Fluchtversuch erhöhten die Entführer ihre Lösegeldforderung auf 15 Millionen Naira. Bestürzt sagte Bruder Sletien, er habe kein Geld. Darauf entgegneten sie ihm höhnisch, er solle doch seine Kirche verkaufen. Zwei Tage nach der Entführung senkten die Fulani das Lösegeld auf eine Million Naira. Seine Familie konnte die geforderte Summe auftreiben und den Islamisten übergeben, worauf diese den Priester laufen liessen. Die Familie brachte ihn in ein Spital, wo er sechs Wochen bleiben musste.

Geistliche besonders gefährdet

Bruder Sletien stand während der Geiselnahme Todesängste aus und erklärt, dass er die ganze Zeit gebetet habe. «Das hat mir Kraft gegeben.» Doch die gewaltsame Entführung hinterlässt bei ihm traumatische Erinnerungen, unter denen er heute noch leidet. Er hat schmerzlich erfahren müssen: Selbst in Südnigeria sind Priester vor islamistischer Gewalt nicht sicher.

Reto Baliarda

 

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