Pastorenfamilie lebt in ständiger Angst

26. Februar 2019

Viele Christen leiden Tag und Nacht unter einer erdrückenden Angst. Radikale Buddhisten erheben immer lauter ihre Stimmen gegen religiöse Minderheiten und gehen immer stärker gegen sie vor.



Auf meiner letzten Reise nach Sri Lanka bin ich vielen Christen, Muslimen und Hindus begegnet, die die Feindseligkeit extremistischer Buddhisten schmerzlich erleben. Einer von ihnen ist Pastor Joseph*: «Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht den Hass von radikalen Buddhisten zu spüren kriegen.»

Freunde werden Feinde

Wie Pastor Joseph weiter berichtet, lebten die Buddhisten und Christen in seinem Dorf lange friedlich zusammen. Heute gehören Beschimpfungen seitens buddhistischer Dorfbewohner, körperliche Angriffe, das Anzünden von Häusern und Kirchen, der Ausschluss der Kinder aus der Dorfschule oder die Verweigerung von Wasser und Strom zum Alltag. «Es ist traurig zu erleben, wie selbst frühere Freunde von den Extremisten aufgehetzt werden und sich von uns abwenden.»

Erfolg gegen Extremisten

In den ländlichen Gebieten gibt es sogenannte Bestattungskomitees. Diese sind nicht nur für Beerdigungen zuständig, sondern verwalten gleichzeitig eine Gemeinschaftskasse, die für Notfälle oder für Festlichkeiten benützt wird. Wer davon ausgeschlossen wird, ist faktisch aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen.

Als Pastor Joseph aus dem Bestattungskomitee ausgeschlossen wurde, gingen die CSI-Partner vor Ort gerichtlich dagegen vor. Nach zähen Verhandlungen darf Pastor Joseph nun wieder Mitglied des Komitees sein – ein starkes Zeichen gegen den buddhistischen Extremismus. «Wir sind äusserst dankbar, dass der Richter für Pastor Joseph entschieden hat», sagt die CSI-Partnerin Anwältin Esther*. «Hätte er dies nicht getan, hätte das eine Welle von Diskriminierung in ganz Sri Lanka ausgelöst.»

Unter Beobachtung

In Josephs Dorf werden Christen auf Schritt und Tritt beobachtet. «Wir können kaum noch etwas tun, ohne kontrolliert zu werden. Ob wir das Haus verlassen oder zu Hause bleiben – alles wird registriert», erzählt Pastor Joseph. «Ende 2017 wurde unser kleines Häuschen mit grossen Steinen beworfen. Teile des Dachs und die Fenster wurden dabei zerstört. Dies geschah, obwohl wir zu Hause waren. Meine Kinder hatten lange grosse Angst und versteckten sich, sobald sie draussen Stimmen hörten. Es dauerte lange, bis sie sich zu Hause wieder einigermassen wohl fühlten. Doch die Angst ist einfach immer präsent.» n Inés Wertgen, Projektleiterin

* Name geändert

 

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