• Indien

Polizei erschiesst christliches Ehepaar

14. Dezember 2015

Die beiden Christen Dhubaleshwar und Bhubudi Nayak aus Pangalipadar in Kandhamal wurden von Polizisten getötet nachdem die Frau vergewaltigt wurde.



Nach einem Gottesdienst lief das Paar mit drei Freunden auf einen abgelegenen Hügel. Dort oben hatten sie besseren Empfang fürs Telefongespräch mit ihren Kindern. Die drei Freunde kehrten früher um. Auf ihrem Rückweg begegneten sie zwei Polizisten.

«Ich sterbe!»

Etwa eine halbe Stunde später hörten sie Schüsse, die auf dem Hügel abgefeuert wurden. Doch aus Angst wagte sich niemand hin. Rahul Nayak (25), der älteste Sohn des Paars, erinnert sich mit Schrecken ans letzte Telefongespräch mit seinen Eltern: «Ich hörte, wie sich meine Mutter schreiend zur Wehr setzen wollte, als ob jemand versuchte, sie zu vergewaltigen. Auch mein Vater schrie. Dann hörte ich die Schüsse und die letzten Worte meines Vaters: ‹Ich sterbe!›»

Als am nächsten Tag das Ehepaar im Dorf nicht gefunden wurde, gingen einige Bewohner auf den Hügel, wo das Ehepaar zuletzt gesehen wurde. Dort fanden sie Blutflecken, eine Männerweste und zwei Paar Finken.

Daraufhin erstatteten die Bewohner bei der lokalen Polizei Anzeige und verlangten, dass sie ihnen die Leichen übergeben. Da sich die Polizei querstellte, blockierten hunderte von aufgebrachten Bewohnern, darunter viele Christen, die Strassen und umzingelten auch den Polizeiposten. Schliesslich wurden die Leichen in Phulbani der Dorfgemeinschaft übergeben.

Nachdem die Polizei versucht hatte, den Mord Maoisten anzuhängen, reichten die Söhne des getöteten Paars eine Beschwerde bei der Menschenrechtskommission von Odisha ein. Diese bat daraufhin die Regierung von Odisha, separate Untersuchungen durchzuführen, um den Mord aufzuklären.

Die an der Aufklärung beteiligten Organisationen fordern, dass die schuldigen Polizisten des Mordes angeklagt werden und den sechs hinterbliebenen Kindern 76’500 Dollar Schadenersatz bezahlen.

Reto Baliarda / wwm

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Leben in ständiger Angst

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