Radikale Buddhisten verbreiten Angst und Schrecken

28. August 2018

Religiöse Minderheiten geraten zusehends ins Visier von singhalesischen Nationalisten, die einen radikalen Buddhismus propagieren. Opfer von Drohungen und Übergriffen werden von der Polizei häufig im Stich gelassen oder gar schikaniert.



«Unter Angst habe ich meine Familie ins Ausland geschickt. Die Regierung hat mich und meine Familie dermassen bedroht, dass wir uns in Sri Lanka nicht mehr sicher fühlen», so ein bekannter christlicher Anwalt, der sich seit vielen Jahren für unterdrückte Minderheiten einsetzt. Früher scheute er sich nicht vor klaren Worten. Doch die Drohungen gegen ihn haben ihn derart eingeschüchtert, dass er nun schweigt. «Mit ihrer Einschüchterungstaktik jagen die Extremisten Andersgläubigen grosse Angst ein. Und nicht selten werden die Drohungen umgesetzt.»

In den letzten Jahren hat die feindliche Gesinnung von radikalen singhalesischen Buddhisten in erschreckendem Masse zugenommen. Sie verbreiten einen nationalistischen Buddhismus, in dem andere Religionen keinen Platz haben.

Falsche Anklage

Auch Pastor Digal leidet unter der schlimmen Lage: Er war mit dem Zug auf dem Heimweg, als er am Bahnhof festgenommen wurde. Er wurde beschuldigt, im Zug Drogen verkauft und Wertsachen gestohlen zu haben. Diese haltlosen Anschuldigungen genügten, um ihn wochenlang wegzusperren.

Mittlerweile ist er wieder auf freiem Fuss. Doch er leidet unter den Folgen dieser schmerzvollen Erfahrung und ist von Angst geplagt, da er jederzeit wieder eingesperrt werden könnte. Die Schikanen dauern an: Er muss sich jeden Monat auf dem Polizeiposten zeigen.

Attacken gegen Muslime

Auch Muslime bekommen die Gewalt extremistischer Buddhisten zu spüren. So kam es im März dieses Jahres zu heftigen Angriffen in Kandy im Nordosten Sri Lankas. Drei Menschen kamen ums Leben, unzählige Geschäfte, Häuser und Moscheen wurden in Brand gesetzt und viele Muslime wurden verletzt.

Auslöser der Gewalt war der Tod eines buddhistischen Lastwagenfahrers, der bei einer Auseinandersetzung mit Muslimen getötet wurde. Während drei Tagen wurde der Ausnahmezustand verhängt. Über soziale Medien wurde der Hass gegen Muslime geschürt, so dass aus allen Landesteilen extremistische Buddhisten anreisten, um sich den Angriffen anzuschliessen. Hochrangige Politiker unterstützten die Gewalt gegen Muslime.

Unsere Partner vor Ort

CSI arbeitet in Sri Lanka mit der lokalen Evangelischen Allianz zusammen, um den bedrängten Minderheiten zu helfen. Unsere Partner leisten juristische Hilfe und bringen Angehörige von Minderheiten, die akut bedroht sind, an sichere Orte. Zusätzlich engagieren sie sich für die Friedensförderung unter den verschiedenen Religionsvertretern.

Wir freuen uns, dass unsere Partnerin, Anwältin Esther*, am CSI-Tag dabei ist und über die Lage in ihrem Land berichtet.

Inés Wertgen, Projektleiterin Sri Lanka

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Projekt Sri Lanka