Raif Badawis Leiden dauert an

12. September 2016

Seit über vier Jahren sitzt der saudi-arabische Blogger und Menschenrechtsaktivist Raif Badawi im Gefängnis. In den letzten Monaten trat er mehrmals in den Hungerstreik. Vor einem Jahr forderte CSI mit Protestkarten Badawis sofortige Freilassung.



«Er sagt mir nicht, wie es ihm geht. Doch an seiner Stimme erkenne ich, dass er keine Hoffnung mehr hat», schreibt Ensaf Haidar am 18. Juni 2016 auf Twitter über eines ihrer letzten Telefongespräche mit Raif Badawi. Die Ehefrau, die mit den drei gemeinsamen Kindern in Kanada lebt, macht sich grosse Sorgen um die Gesundheit ihres Mannes.

Wegen regime- und religionskritischen Äusserungen war Raif Badawi im Juni 2012 zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt worden. Erstmals wurde er im Januar 2015 50 Mal ausgepeitscht. Seitdem sind weitere Auspeitschungen aus medizinischen Gründen – und wohl auch wegen der internationalen Proteste – ausgeblieben.

Protestkarten für Badawis Freilassung

CSI setzt sich seit längerem für die unverzügliche Freilassung von Raif Badawi ein. Im Oktober 2015 übermittelten zwei Mitarbeitende Protestkarten an die saudi-arabische Botschaft in Bern, die von 1677 Personen in der Schweiz unterschrieben worden waren.

Zwar erklärte Ende 2015 in Bundesbern das Departement für Auswärtige Angelegenheiten, dass durch einen königlichen Gnadenerlass Badawis Strafe bald aufgehoben werden soll. Doch seitdem hat sich diesbezüglich nicht viel bewegt. Vielmehr wurde Raif Badawi im Dezember 2015 in eine andere Haftanstalt in ein entlegenes Gebiet verlegt. In der Zwischenzeit ist er vier Mal in den Hungerstreik getreten, das letzte Mal am 10. Juni 2016, den er drei Tage später beendete, nachdem er wegen seiner Nierenbeschwerden in ein Krankenhaus gebracht wurde.

Demnächst als Film

Raif Badawis Ehefrau Ensaf Haidar, die letztes Jahr die Schweiz besuchte, setzt sich vehement für die Freilassung ihres Mannes ein. Ihr Buch «Freiheit für Raif Badawi, die Liebe meines Lebens», erregte in der Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit und soll demnächst verfilmt werden.

Reto Baliarda

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