• Sudan

Regierung soll schöne Versprechen rasch umsetzen – Protestbericht

26. Juni 2020

Der langjährige Diktator Omar al-Baschir wurde vor über einem Jahr gestürzt. Die neue Regierung unternahm erste Schritte, um die Diskriminierung der Christen zu beenden. CSI appelliert an den Premierminister, die Kirchengüter zurückzugeben und volle Religionsfreiheit zu gewährleisten.



 


Bitte fordern Sie Premierminister Abdullah Hamdouk dazu auf, volle Religionsfreiheit zu gewähren.

Dear Prime Minister Hamdouk

We welcome the steps taken by the interim government of the Republic of the Sudan to promote human rights and religious freedom.

Nevertheless, religious minorities continue to experience discrimination and harassment. Confiscated church properties have yet to be returned.

We call on the government to guarantee all faith groups in Sudan respect for Article 18 of the Universal Declaration of Human Rights, including the right to change religion. We therefore specifically call for the decriminalization of apostasy and the abolition of Article 126 of the penal code.

Yours sincerely,

Wir begrüssen die von der Übergangsregierung der Republik Sudan unternommenen Schritte zur Förderung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit.

Nichtsdestotrotz werden religiöse Minderheiten weiterhin diskriminiert und schikaniert. Konfisziertes Kirchen­eigentum wurde noch nicht zurückgegeben.

Wir fordern die Regierung auf, allen Glaubensgemeinschaften im Sudan die Einhaltung von Artikel 18 der UNO-Menschenrechtserklärung zu garantieren, einschliesslich des Rechts, die Religion zu wechseln. Wir fordern daher insbesondere Straffreiheit bei «Apostasie» und die Streichung von Artikel 126 des Strafgesetzbuches.


* obligatorische Angaben

Dreissig Jahre lang herrschte im Sudan eine brutale islamistische Diktatur unter der Führung von Omar al-Baschir von der Muslimbruderschaft. Dreissig Jahre lebten die Christen im Sudan in einem Klima der Angst, der sozialen Diskriminierung und Ausgrenzung. Im Süden und in den Nuba-Bergen wurden sie sogar Opfer von Dschihad und Versklavung.

Nach der Abspaltung des grösstenteils christlichen Südsudan im Jahr 2011 verschlechterte sich die Situation für die verbliebenen Christen weiter: Christlichen Gemeinschaften wurde die Genehmigung zum Bau neuer Kirchen verweigert, Kirchengebäude wurden beschlagnahmt und zerstört, Gläubige willkürlich verhaftet.

Heftigen Volksprotesten folgte der Sturz von Militärdiktator Omar al-Baschir im April 2019 durch die Armee. Einige Monate später wurde mit massgeblicher Unterstützung der USA, Saudi-Arabiens und Ägyptens eine Übergangsregierung vereidigt.

Im Land selber schlägt der neuen Regierung von der Muslimbruderschaft und von einigen unzufriedenen Stämmen starker Widerstand entgegen. Im März 2020 wurde der neue Premierminister Abdullah Hamdouk Ziel eines Anschlags von unbekannt. Er überlebte unverletzt.

Hoffnungsvolle Zeichen

Gemäss Regierungsprogramm gehören «die Förderung der öffentlichen und privaten Freiheiten sowie der Schutz der Menschenrechte» zu den obersten Prioritäten. Auch die Förderung der Religionsfreiheit wird als Ziel erwähnt.

Unter Premierminister Hamdouk hat die Regierung Schritte in diese Richtung unternommen. Eine ihrer ersten Handlungen war die Aufhebung des strengen islamistischen Gesetzes über die öffentliche Ordnung. Die darin enthaltenen Kleidungsvorschriften für Frauen dienten als Begründung für Schikanen und Gewalt.

Im März 2020 löste das Ministerium für religiöse Angelegenheiten die staatlichen Kirchenkommissionen auf, unter deren Kontrolle die Kirchen sich befanden. Es kam vor, dass solche Gremien Kirchen schlossen oder kirchliche Bauten dem Staat überschrieben. Die Auflösung der Kommissionen ist ein erster Schritt, um die Kontrolle über die Kirchen an die Christen zurückzugeben.

Gemäss der Zeitung «Sudan Tribune» arbeitet die Übergangsregierung auch daran, die Todesstrafe für die Abkehr vom muslimischen Glauben (Apostasie) aufzuheben, die bisher in Artikel 126 des Strafgesetzbuches verankert ist.

Kirchen bleiben skeptisch

Die Kirchen erleben seit langem Verfolgung – sie begann lange vor dem gestürzten Baschir-Regime – und sind skeptisch, wie ernst es der Regierung mit der Religionsfreiheit ist.

Zwar hat das Ministerium für religiöse Angelegenheiten versprochen, allen konfiszierten Kirchenbesitz zurückzugeben, doch dieser Prozess schreitet nur langsam voran. Ein Lastwagen mit christlicher Literatur wurde im März 2020, acht Jahre nach seiner Beschlagnahmung, an die Baptistenkirche zurückgegeben. Andere Kirchen warten bis heute auf die Rückgabe ihres Eigentums.

«Wir brauchen Taten, keine Versprechen», sagte Pfarrer Yahya Abdelrahim Nalu, das Oberhaupt der Sudanesischen Presbyterianisch-Evangelischen Kirche, im März 2020 gegenüber Morning Star News.

Christen weiter Opfer von Anschlägen und Sklaverei

Die anhaltende islamistische Gewalt gegen Christen lässt einige am Engagement der Regierung zum Schutz religiöser Minderheiten zweifeln. Allein in den letzten Monaten wurden vier mutmasslich islamistische Angriffe auf Kirchen gemeldet. Diese ereignen sich in der Hauptstadt Khartum ebenso wie im Bundesstaat Blauer Nil an der Grenze zum Südsudan.

Auch die Sklaverei bleibt ein Problem. Tausende Südsudanesen werden bis heute in entlegenen Landesteilen festgehalten. Viele von ihnen stammen aus christlichen Dörfern. Ihre Notlage wird von der neuen Regierung in Khartum ebenso ignoriert wie von den internationalen Verbündeten.

Der islamistische Diktator Omar al-Baschir wurde abgesetzt. Ob die Religionsfreiheit bald umfassend garantiert wird, bleibt ungewiss.

Morven McLean

 


Empfehlung von CSI-Leserin Katrin Maibach

Die Broschüre gibt einen Überblick über die Geschichte des Christentums im Sudan. Diese Geschichte ist zutiefst verwoben mit der komplizierten und notvollen Geschichte eines kriegsgebeutelten Landes, welches heute eines der ärmsten Länder der Welt ist.

In der kleinen Broschüre finde ich viel sorgfältig recherchierte Information, zum einen zur Geschichte des Landes, zum andern zur Geschichte der Christen und Kirchen in diesem Land. Die komplexe, verworrene und blutdurchtränkte Vergangenheit des Sudan wird in sachlich fundierter Art aufgezeigt. Man merkt, dass John Eibner ein ausgewiesener Kenner der Situation vor Ort ist, hat er doch das Land über hundert Male besucht. So zeigt er nebst den historischen Geschehnissen auch die Not der heutigen Christen auf, eine Not, die mehr als eine Million von 39 Millionen Menschen betrifft.

Dass ein grosser Teil dieser Christen unter der nationalen Armutsgrenze leben muss, einige sogar immer noch als Sklaven arabisch-muslimischer Herren, lässt einen nicht kalt. Viele Vertriebene durften zwar nach der Unabhängigkeit des Südsudans in ihre Heimat zurückkehren, doch Christen haben nach wie vor mit vielen Schwierigkeiten und Repressionen auf Grund ihres Glaubens zu kämpfen. Eibner stellt jedoch fest, dass die Kirche im Sudan in grosser Vielfalt lebt und wächst. Obwohl das Booklet einige Anforderungen an den Leser stellt, lohnt es sich, sich darin zu vertiefen – man wird es nicht unberührt weglegen.

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