Religionsverlies im Tourismusparadies

11. März 2016

Abgesehen vom wahhabitischen Islam ist auf den Malediven praktisch jede Religionsausübung ver­boten. Übertretende vom Islam werden festgenommen. Andersgläubige dürfen nur in der engeren Familie Treffen abhalten. Kirchenbesuche und Evangelisation sind nicht gestattet.



«Auf diesen Inseln ist schlicht alles paradiesisch: das Wetter, die Strände, das Wasser, das Essen – was man sich denken kann. Deswegen stehen die Malediven wie kein anderer Ort der Welt für Fe­rien wie in einem Traum.» So preist das Reiseunternehmen «Helvetic Tours» auf deren Website die Malediven als Ferienparadies an. Nicht umsonst: Viele SchweizerInnen haben schon ihre «Traumferien» auf den Malediven verbracht.

Die Kehrseite des Paradieses

Weit weniger bekannt dürfte diesen Touristen dagegen sein, dass auf den Malediven ein strenger Islam gelehrt wird und die Religionsfreiheit massiv eingeschränkt ist. Dies mag auch kaum überraschen. Denn die Touristen werden von der maledivischen Bevölkerung mehr oder weniger abgeschottet. 220 Inseln der Malediven sind von Einheimischen bewohnt. 87 weitere werden fast ausschliesslich den Touristen vorbehalten.

Von dieser Regelung ausgenommen sind lediglich einheimische Angestellte der staatlich streng überwachten Verkehrs- und Tourismusbüros auf den 87 «Touristeninseln». So werden engere Kontakte zwischen Maledivern und Ausländern praktisch verunmöglicht.

Wahhabitischer Islam wie in Saudi-Arabien

Auf den Malediven ist der Islam Staatsreligion. Die Verfassung gewährt ausdrücklich keine Religionsfreiheit. Auch können nur Muslime Staatsbürger werden und damit nur sie wählen, abstimmen und Beamte werden.
Wer offiziell zum Christentum oder einem anderen Glauben übertritt, verliert das Bürgerrecht. Er muss mit Inhaftierung rechnen, wenn ihm die Auswanderung nicht gelingt. Die einzige, vom Staat anerkannte Religion ist der sunnitische Islam wahhabitischer Prägung. Glaubensabfall, Ehebruch, Diebstahl oder Alkoholismus werden mit drakonischen Strafen geahndet.

Zudem herrscht eine extreme Rechtsungleichheit zwischen Mann und Frau, wie sie etwa Saudi-Arabien oder der Jemen praktiziert. Niemand weiss, wie viele Christen und andere Nichtsunniten auf den Malediven inhaftiert sind, geschweige denn ihre Namen.

Von drangsalierten Nichtsunniten wurden bislang erst wenige öffentlich bekannt. Dabei werden Andersgläubige nicht nur vom Staat unterdrückt. Vielmehr werden diese oft auch von sunnitisch gebliebenen Familienangehörigen oder Verwandten denunziert.

Keine nichtislamischen Versammlungen

Bis heute bekennen sich verschwindend wenige Malediver zu einer anderen nichtislamischen Religion. Nur innerhalb der eigenen Familie ist eine nichtislamische Religionsausübung denkbar. Bereits grössere Versammlungen von Familien und Verwandten und erst recht Kirchentreffen oder Evangelisationsveranstaltungen werden nicht toleriert.

Religionsfreiheit geht immer mehr verloren

Im September 2011 wurde ein Religionseinheitsgesetz erlassen. Dieses besagt, dass Vorträge oder Literatur nicht im Widerspruch zum Islam stehen dürfen.

Im Februar 2012 musste der erste nach 30-jähriger Diktatur 2008 demokratisch gewählte Präsident, Mohamed Nasheed, wegen massiven politischen Drucks zurücktreten. Nasheed ist ein Muslim, der nach Amtsantritt politische Reformen versprochen hatte. Im März 2015 wurde er wegen «Terrorismus» gar zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt.

Unter dem heutigen Präsidenten Abdulla Yameen sind die Aussichten auf Religionsfreiheit weiter gesunken. Seit Dezember 2014 ist es Parlamentariern verboten, Vorstösse einzureichen, die den verfassungsmässigen Status des Islams als Staatsreligion verändern könnten. Ein am 19. November 2015 mit Saudi-Arabien unterzeichnetes Abkommen sieht unter anderem den weiteren Ausbau vom Arabischen als obligatorischem Schulfach vor. Zudem wird der saudische Einfluss auf maledivische Imame zusehends stärker.

Zum ersten Mal verbot die Regierung Ende Dezember 2015 Weihnachtsfeiern, und zwar selbst auf den 87 «Touristeninseln». Bei gewissen Verletzungen der Scharia soll die Todesstrafe vollstreckt werden.
Max-Peter Stüssi


Vor-Islam ausgelöscht

Auf den Malediven sind keine vorislamischen religiösen Spuren mehr bekannt. Anfang 2012 wurden Statuen und andere Kultgegenstände aus den einstigen hinduistischen und buddhistischen Epochen vor der Ankunft des Islams im 12. Jahrhundert aus dem Nationalmuseum weggetragen und restlos vernichtet. 

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