«Schlimmer als in einer Gefängniszelle»

26. März 2013

Es ist schwer vorstellbar, in welch erbärmlichem Zustand Tausende Letten auch heute noch leben. Besonders die ländlichen Gebiete sind von diesem Elend stark betroffen.



«Lettland ist doch EU-Mitglied, da kann die Not nicht so arg sein», könnte man denken. Bis heute wohnen in Lettland jedoch zahlreiche Menschen, die ohne Hilfe von aussen kaum überleben würden. Zu ihnen gehört Daiga Berga. Mit ihren Kindern wohnt sie in einem einzigen Raum – «schlimmer als in einer Gefängniszelle»,  kommentierte Viljams Šulcs (Bill Schultz), unser Projektpartner in Lettland, erschüttert.

Sprachlos vor Glück

Dank grosszügiger Spenden konnte die Wohnung von Daiga Berga nun renoviert werden. «Mir fehlen die Worte, um meine Dankbarkeit auszudrücken», sagte sie überglücklich.
Der Raum ist tatsächlich nicht wiederzuerkennen: Der Boden, der ganz von Ratten zerfressen war, ist neu, Decke und Wände sind isoliert, ein neues Fenster ist eingebaut und in der Ecke steht sogar ein neuer Ofen.
Mit den grünen Wänden und elektrischem Licht wirkt der Raum nun freundlich und einladend. «Ich kann es kaum glauben, dass dies nun unser neues Zuhause ist», sagte Daiga Berga dankbar. «Wir sind unendlich reich beschenkt.»
Inzwischen wird ein zweites Zimmer instand gestellt. Danach sollen die asbestverseuchte Küche und das Dach renoviert werden. Zusätzlich soll die Familie fliessendes Wasser bekommen.
Fürsorge für 200 Familien
Jährlich kommt die CSI-Hilfe etwa 200 lettischen Familien zugute, mehrheitlich alleinerziehenden Müttern und ihren Kindern. Wir bezahlen die Renovation der jämmerlichen Behausungen, übernehmen Schul- und Zahnarztkosten und bringen Lebensmittelpakete, Brennholz, warme Kleider und Schuhe. Die materielle Hilfe erleichtert den Familien das Überleben.
Wie wir auf unseren Reisen mehrmals gehört haben, ist vielen aber etwas noch wichtiger als die materielle Unterstützung: das Gespräch mit Viljams und Dana Šulci (Bill und Dana Schultz), den CSI-Projektpartnern in Lettland. Die beiden kümmern sich fürsorglich um die Nöte der Familien, stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite und leisten Hilfe zur Selbsthilfe. Das ist in Lettland besonders wichtig, weil viele Menschen von einer grossen Lethargie geprägt sind.

«Es kommt doppelt zurück»

Ab und zu nimmt auch die lettische Öffentlichkeit wahr, was Viljams und Dana im Stillen leisten. In der Dezember-Ausgabe 2012 veröffentlichte die lettische Frauenzeitschrift «Jeva» ein ausführliches Porträt über Dana. «Es liegt uns besonders am Herzen, den Menschen Würde und Selbstvertrauen zu schenken», wird Dana zitiert. Sie ist heute schwer krank. Hätten sich die Voraussagen der Ärzte bewahrheitet, wäre sie inzwischen längst tot. Doch sie ist immer noch in der Lage, die Arbeit weiterzuführen, und bleibt mit Feuereifer dran: «Ich habe mein Leben dieser Sache gewidmet. Ich habe mein  Leben gelebt und genossen. Allmählich verstand ich, dass ich vieles nicht mehr brauche. Materielle Dinge, die man sich wünscht, sind nur Nichtigkeiten für eine kurze Zeit. Gib deinem Nächsten, und du bekommst doppelt zurück.»
Der Einsatz von Viljams und Dana, liebe Leserinnen und  Leser, wäre ohne Sie nicht möglich. «Nur dank der grosszügigen finanziellen Hilfe von Freunden sind wir in der Lage, diese Arbeit zu tun», erklärt Viljams in der Frauenzeitschrift. Wir danken Ihnen herzlich für Ihr Mittragen.
Autorin: Inés Wertgen

Ihr Kommentar zum Artikel

Kommentar erfolgreich abgesendet.

Der Kommentar wurde erfolgreich abgesendet, sobald er von einem Administrator verifiziert wurde, wird er hier angezeigt.