• Ägypten

Schlimmstes Attentat auf koptische Christen

13. Dezember 2016

Der verheerende Bombenanschlag auf die Kapelle der Petruskirche in Kairo vom 11. Dezember 2016 hat mindestens 25 Christen das Leben gekostet. Die meisten Opfer sind Mädchen und Frauen. Ägyptens Präsident Al-Sisi hat eine dreitägige Staatstrauer ausgesprochen. Viele Kopten beklagen die mangelnde Sicherheit vor den Kirchen.



Die Explosion am Sonntagmorgengottesdienst in der Pertuskirche war gewaltig. Sie war kilometerweit zu hören. Die Kirchenfenster zerbarsten. Der Boden des Kirchenschiffs war mit Trümmern bedeckt.

Mindestens 12 Kilogramm Sprengstoff ging in der Kapelle der Kirche hoch, die während des Gottesdienstes traditionellerweise von Frauen benutzt wird. Die meisten der bisher 25 Todesopfer sind daher junge Frauen und Kinder. Mindestens 49 Personen wurden verletzt. Einige von ihnen befinden sich im kritischen Zustand.

Regierung verdächtigt 22-jährigen Islamisten

Zu diesem schrecklichen Attentat hatte sich zunächst niemand bekannt. Ein Beobachter berichtete, dass eine Frau mit einer schweren Tasche die Kapelle betrat. «Sie setzte sich auf die Bankseite der Frauen und stellte die Tasche auf den Boden ab. Nach einigen Minuten stand sie auf und verliess die Kirche, die Tasche hatte sie zurückgelassen.» Kurze Zeit später erfolgte die heftige Detonation.

Gemäss einer ersten Stellungnahme von Ägyptens Staatspräsident Abdel Farrah al-Sisi soll der 22-jährige Selbstmordattentäter Abu Dajjana al-Kanani für den Anschlag verantwortlich sein. Der Innenminister veröffentlichte kurz darauf ein Foto des Islamisten al-Kanani. Mittlerweile wurden in Zusammenhang mit dem Anschlag drei Männer und eine Frau festgenommen. Weitere Verdächtige sind laut al-Sisi flüchtig. Am Abend des 13. Dezember 2016 gab der IS ein Bekennerschreiben heraus.

Die Petruskirche, auch als Al Boutrosya-Kapelle bekannt, befindet sich in Abyssia in Kairo und gehört zum Gebäudekomplex der Koptisch Orthodoxen Kathedrale St. Markus, welche als geistliches Zentrum der Kopten gilt.

Al-Sisi rief dreitägige Staatstrauer aus

Präsident Al-Sisi rief nach dem Anschlag eine dreitägige Staatstrauer aus. Das hatte es bisher noch nie gegeben. Doch viele Kopten bezeichnen den Entscheid der Regierung, eine Staatstrauer durchzuführen, als heuchlerisch. Sie machen ihrem Unmut über die Sicherheitskräfte Luft. Häufig sehe man, wie Sicherheitsbeamte vor den Kirchen im Internet surfen, faulenzen oder gar schlafen, anstatt ihrem Auftrag nachzukommen und die Kirche zu bewachen.

Auch Menschenrechtsaktivist Wagih Jacoub kritisiert die Regierung, welche die Christen nicht richtig schütze: «Was interessiert mich eine dreitägige Staatstrauer? Es ist doch viel wichtiger, dass die Christen beschützt werden.»

Kritik an der Trauerfeier

Bei der offiziellen Trauerfeier vom 12. Dezember 2016 sprachen Präsident Al-Sisi und andere Regierungsvertreter den Angehörigen ihr Beileid aus. Der koptische Papst Tawadros II sagte, dass der Anschlag gegen die Kopten ein Angriff auf alle Ägypter sei. Dass die Beerdigung im Staatsfernsehen übertragen wurde, die Angehörigen wegen des hohen Besuchs nur beschränkt Zugang hatten und von den Särgen ihrer verstorbenen Verwandten ferngehalten wurden, machte viele Kopten wütend und traurig.

Überdies wurden einige Personen festgenommen, weil sie gegen ihren Ausschluss von der Trauerfeier protestierten. «Ich spüre eine grosse Wut in mir», klagt eine koptische Christin aus Qena, die regelmässig die St. Markus-Kathedrale besucht. «Als Angehörige würde es mir das Herz brechen, wenn ich wegen einer Show an der Trauerfeier nicht von einem Familienmitglied Abschied nehmen könnte.»

«Schüler werden zu Hass angestiftet»

Der Bombenanschlag vom 11. Dezember 2016 ist das schlimmste Attentat gegen koptische Christen in Ägypten. Doch auch beim Anschlag vom 1. Januar 2011 auf die Heiligenkirche in Alexandria kamen 23 Menschen ums Leben. Für Menschenrechtler Jacoub beginnen die Feindseligkeiten gegenüber den Christen in den Moscheen und Schulzimmern, in denen den muslimischen Jugendlichen eingetrichtert wird, die Christen zu hassen. «Ihnen wird beigebracht, dass die Christen nutzlos sind und keine Rechte haben. Was kann man denn von diesem Leuten anders erwarten als Hass gegenüber den Christen?»

Reto Baliarda

Quellen: Morningstarnews, Fides, Worldwatchmonitor