Schreckensterror gegen Christen

14. Juni 2013

Aus Nigeria erreichen uns bereits seit einiger Zeit beunruhigende Nachrichten. CSI klärt ab, wie wir Opfern von religiöser Gewalt noch stärker helfen können.



«Fast jeden Tag hört oder liest man von neuen Attacken auf Christen und Kirchen. Die Lage wird immer bedrohlicher», sagt Schwester Betty. Die junge Nonne bringt die Angst zum Ausdruck, die sich bei vielen Christen im Land breit gemacht hat. «Das Dorf meines Bruders wurde letzte Woche überfallen», fährt sie unvermittelt fort. «Gegen Abend drangen plötzlich bewaffnete Muslime in den Ort ein. Die Familie meines Bruders rannte um ihr Leben und versteckte sich im Busch. Mehrere Menschen wurden umgebracht und einige Häuser niedergebrannt. Zum Glück war das Militär bald zur Stelle. Die Christen des Dorfes haben dann in der Kirche Zuflucht gesucht und werden seitdem vom Militär bewacht.»

Islamistische Terrorgruppe 

Urheber der Gewalt ist die extremistische Boko Haram – durch Medienberichte inzwischen auch bei uns bekannt. Ursprünglich war Boko Haram eine islamistische Schlägertruppe, die politische Gegner einschüchtern sollte. Hinter dieser Taktik standen mächtige politische Kräfte, die die Islamisierung Nigerias vorantreiben wollten. Inzwischen hat sich Boko Haram zu einer hochgerüsteten Terrororganisation mit eigener Agenda entwickelt. Sie unterhält Kontakte zu islamistischen Terrorgruppen in verschiedenen Ländern und geht gezielt gegen Christen und ihre Einrichtungen vor.

Hilfsgüter liefern gefährlich

Der Bruder von Schwester Betty rief sie ganz aufgelöst an und berichtete ihr von den Vorfällen im Dorf. «Es fehlte ihnen an allem», so Schwester Betty. «Also kaufte ich verschiedene Nahrungsmittel und einige Kanister mit Trinkwasser und fuhr mit einem Fahrer unseres Konvents hoch in den Norden. Neun Stunden haben wir gebraucht. Es war unheimlich – so viele Kontrollen durch das Militär und die ausgestorbenen Strassen des Dorfes. Wir gingen nur kurz in die Kirche, gaben die Sachen ab und verliessen den Ort so schnell wie möglich. Es war viel zu gefährlich, länger zu bleiben.»

Der Angriff sei lange vorbereitet worden. Im Dorf waren Waffenlager angelegt worden, aus denen sich die Angreifer bedienten. Noch einen Tag später fing das Militär eine Gruppe Männer ab, die die Angreifer unterstützen wollten.

 Beklemmende Furcht

Die Geschichte von Schwester Betty ist repräsentativ für das, was derzeit in Nigeria vor sich geht. Gerade die Christen im Norden leben in ständiger Angst um ihr Leben. Doch auch im nigerianischen Mittelland und im Süden ist die Angst mit Händen zu greifen. Die Schutzvorkehrungen bei Gottesdiensten sind beklemmend: Schwer bewaffnete Polizisten kontrollieren die Gottesdienstbesucher, Autos werden auf Bomben abgesucht, Stacheldraht und Sperren sichern das Gelände. «Viele meiner Gemeindemitglieder wagen sich nicht mehr in die Messe», sagt Pater Michael aus der Diözese Minna im Bundesstaat Niger. «An hohen Feiertagen trauen sie sich nicht einmal mehr aus dem Haus.»

In dieser schwierigen Zeit den Christen in Nigeria ein Zeichen der Solidarität und der Hoffnung zu geben, ist uns ein Anliegen. Deshalb reisten CSI-Stiftungsratspräsident Herbert Meier, Redaktor Max-Peter Stüssi und ich nach Nigeria. Oft bekamen wir während unserer Reise zu hören, wie sehr sich Menschen durch unseren Besuch ermutigt fühlen. Für die Überlebenden des Bombenanschlags von Weihnachten 2011 auf die Sankt-Theresa-Kirche in Madalla bei Abuja konnten wir einen Geldbetrag für dringend benötigte medizinische Behandlungen hinterlassen. Daneben klärt CSI nun ab, ob wir in weiterem Umfang konkrete Hilfe leisten können.

Autor: Benjamin Doberstein

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Projekt Nigeria