• Syrien

Schwester Sara zündet Lichter im dunklen Land an

23. April 2016

Im kriegsgebeutelten Syrien gibt es immer wieder Lichtblicke, die Hoffnung aufkeimen lassen. CSI-Partnerin Schwester Sara setzt sich mit ihrem Team dafür ein, geflüchteten Menschen wie Ayasha aus Idlib zu helfen und ihnen ein Stück Lebensfreude zurückzugeben.



Die syrische Mittelmeerküste ist bisher weitgehend von den kriegerischen Auseinandersetzungen verschont geblieben. Seit Jahren kümmern sich Schwester Sara und ihr Team dort um vertriebene und mittellose Menschen. Sei es das Ermöglichen des Schulbesuchs, die Verteilung von Schulmaterial an 900 Kinder oder auch ein Sommer-Camp für über 100 Jugendliche: Dem engagierten und hilfsbereiten Team ist es ein grosses Anliegen, die Menschen und Kinder zu ermutigen und ihnen in der schwierigen Zeit Freude zu schenken.

Verkleidet vor den Islamisten geflohen

Auch Ayasha* aus Idlib und Maria* aus Aleppo haben dank der Unterstützung des Teams neue Hoffnung geschöpft. Die beiden Christinnen mussten aus ihrer Heimat fliehen, lange bevor Städte wie Aleppo wegen der Luftangriffe in die Schlagzeilen gerieten.

Die 39-jährige Ayasha hatte früher in Idlib ein gutes Leben. «Ich arbeitete als Ingenieurin und wurde als Frau und als Christin nie belästigt.» Als die islamistische Al-Nusra-Front im Frühling 2015 in die Stadt eindrang, war sie schockiert, dass so viele Einwohner von Idlib sie willkommen hiessen. «Sie haben die Islamisten sogar mit Reis beworfen, als ob es sich um eine Hochzeit handeln würde.» Gleichzeitig flohen viele Einwohner – sowohl Christen als auch Muslime – aus der Stadt. Von den Christen blieben fast ausschliesslich ältere Leute, die man unter Todesdrohung zwingen wollte, sich zum Islam zu bekehren.

Für Ayasha wurde die Lage unerträglich und gefährlich, sodass sie keinen anderen Ausweg mehr sah, als zu fliehen. «Ich packte eine Tasche mit Kleidern, entfernte mein Kreuz, das ich an einer Halskette an der Brust trug, und löschte auf meinem Handy alle religiösen Bilder.» Ayashas muslimische Nachbarinnen gaben ihr einen Hijab. So hoffte sie, als Christin nicht erkannt zu werden.

Der zirka zwei Kilometer lange Weg zur Busstation war die Hölle, erinnert sich Ayasha: «Auf der Stras­se lagen die Leichen von geköpften Menschen, allen voran Soldaten, denen die Kehle durchgeschnitten worden war.» Ein Bus brachte Ayasha und zwei weitere junge Frauen in die Provinz Tartus.

Dort wandte sich die 39-Jährige an einen Pfarrer, der ihr die Adresse von Schwester Sara gab. Dafür ist ihm Ayasha unendlich dankbar. «Sie gab mir Unterschlupf in einem Zimmer ihres Klosters und versorgte mich mit Kleidern und ein wenig Geld. Vor allem spendete sie mir Trost. Ich weiss ehrlich gesagt gar nicht, was ich ohne Schwester Sara gemacht hätte.»

«Helfen gehört zu unserer christlichen Kultur»

Maria wuchs bei ihrer Familie in Aleppo auf und arbeitete dort als Lehrerin. Nach Ausbruch des Krieges musste sie ihre Heimat verlassen. Sie flüchtete mit ihren Eltern an die Mittelmeerküste. Als sie dort von Schwester Sara und ihrem Team hörte, zögerte sie nicht lange: «Ich schloss mich den freiwilligen Helfern an. Gemeinsam bieten wir den vertriebenen Menschen materielle Hilfe und Schulbildung an. Auch organisieren wir jedes Wochenende ein Aktivprogramm für Kinder», erzählt Maria begeistert von ihrer Freiwilligenarbeit.

Doch was motiviert die selbst betroffene junge Lehrerin, sich freiwillig für Vertriebene einzusetzen? «Die Freiwilligenarbeit hat unter den Christen in Aleppo eine jahrzehntelange Tradition», berichtet sie. Jede Kirche habe ihr eigenes Helferkomitee, Waisenhaus oder auch Alterszentrum. «Seit ich zehn bin, engagiere ich mich als freiwillige Helferin. Dies ist ein Teil meines Lebens», sagt sie bestimmt. So wusste Maria auch während der kräftezehrenden Flucht, dass sie ihre freiwillige Tätigkeit unbedingt fortsetzen möchte. Umso glücklicher ist sie, dass sie sich bei Schwester Saras Team engagieren kann. «Ich bin seit über drei Jahren dabei und werde so lange weitermachen, wie ich dafür gebraucht werde. Als Christen sollten wir uns um die notleidenden Menschen kümmern.»

Reto Baliarda


Hilfe vor Ort

CSI arbeitet mit der syrischen Ordensschwester Sara und ihrem Team zusammen. Das Team kümmert sich um mittellose Familien, die ihre Heimat verlassen mussten.

Die Notleidenden erhalten finanzielle Hilfe für eine Unterkunft an einem sicheren Ort.

CSI verteilt Lebensmittel und Medikamente für Flüchtlinge und übernimmt Arztkosten in Notfällen.

Mit dem Schulgeld für Kinder aus Flüchtlingsfamilien wird der Schulbesuch ermöglicht. Zudem ermöglicht CSI den Kindern, die wegen der Flucht das Schuljahr nicht beenden konnten, einen Förderunterricht für Englisch und Französisch.

Ebenso werden christliche Freizeitprogramme und friedensfördernde Workshops für Flüchtlingskinder angeboten.

Traumatisierte Flüchtlinge (Christen und Muslime) werden seelsorgerlich begleitet.

Weiterer Bericht:
Geflüchtete Sunnitinnen bedanken sich bei Schwester Sara

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