Sklavenhalter griff Amath mit dem Messer an

01. Oktober 2019

Die heute 18-jährige Amath Bol Chol wurde in die Sklaverei hineingeboren und als kleines Kind verkauft. Schon in jungen Jahren musste sie abscheuliche Misshandlungen und sexuelle Übergriffe über sich ergehen lassen. Doch sie hat den Glauben an eine gute Wende nie aufgegeben.



Amath kam im sudanesischen Dorf Ruskanit als Tochter einer Sklavin zur Welt. Auch ihr Vater musste im selben Haus als Sklave arbeiten. Das kleine Mädchen musste immer wieder miterleben, wie ihre Eltern von ihrem Gebieter schamlos ausgenutzt und bei jeder Gelegenheit angeschrien wurden, ohne dass sie sich jemals zur Wehr gesetzt hätten.

Gewaltsam von den Eltern getrennt

Ihre Eltern getrauten sich auch nicht zu protestieren, als der Sklavenhalter beschloss, die kleine Amath an einen anderen Araber namens Belele zu verkaufen. «Meine Eltern sagten beim Abschied kein Wort und waren ganz eingeschüchtert», erinnert sie sich. Für das kleine Mädchen war die Trennung von ihren Eltern ein fürchterlicher Alptraum. «Ich war völlig verzweifelt und wehrte mich dagegen. Der Sklavenhalter geriet darauf ausser sich vor Wut und schlug mich brutal zusammen», gräbt Amath die schreckliche Erinnerung hervor.

Misshandelt und geschändet

Das schutzlose Mädchen erlebte bei ihrem neuen Gebieter Belele eine schlimme Zeit. Trotz ihres zarten Alters musste sie von Beginn weg jeden Tag hart arbeiten. Regelmässig musste sie die Kleider des ganzen Haushalts waschen und das Haus putzen, ohne dafür auch nur im Geringsten gewürdigt zu werden. Im Gegenteil: Immer wieder wurde sie von Belele aufs Übelste beschimpft und musste rassistische Beleidigungen über sich ergehen lassen. Besonders entwürdigend war für Amath, dass sie von Beleles Sohn oft vergewaltigt wurde. «Ich fühlte mich so elend und wäre am liebsten davongerannt. Doch was hätte ich denn tun können?» klagt die junge Frau, die als Sklavin zum Islam konvertieren musste.

Amath hätte sich getäuscht, wenn sie der Illusion verfallen wäre, dass es nicht mehr schlimmer kommen konnte. Eines Morgens schaffte sie es nicht frühzeitig aus dem Bett, um das Haus zu reinigen. Belele war rasend vor Zorn. «Er ergriff ein Messer und stach damit auf meinen Nacken ein», erinnert sich die ehemalige Sklavin an den fürchterlichsten Moment ihres Lebens. Wie durch ein Wunder erlitt sie keine schwereren Verletzungen.

Der mutige Schritt

Diesem einschneidenden und einschüchternden Ereignis zum Trotz hörte Amath nicht auf, an eine Wende in ihrem Leben zu glauben. An einem Frühlingstag 2019 schickte Beleles Frau ihre Sklavin zum Markt von Ruskanit, um etwas für sie zu besorgen. Auf dem Markt traf Amath einen arabischen Händler, der ihr anbot, sie in die Heimat ihrer Eltern, den Südsudan, zu bringen, wo sie ein freier Mensch sein könne. Der freundliche Mann war ein von CSI beauftragter Sklavenbefreier. Er empfahl ihr, nicht mehr zurück zu ihrem Gebieter zu gehen. Vielmehr sollte sie auf dem Markt bleiben und auf ihn warten.

Der Sklavenbefreier suchte Belele sofort auf und übergab ihm Impfstoff für sein Vieh im Austausch gegen Amath. Anschlies­send brachte der Befreier die mutige Frau an einen Ort, wo weitere befreite Sklaven auf ihre Rückkehr warteten. Die Vorfreude bei Amath war gross, als sie in den darauf folgenden Tagen zusammen mit der Gruppe in Richtung Südsudan marschierte, einem Land, das sie bislang überhaupt nicht kannte.

In ihrer neuen Heimat wurden Amath und die anderen befreiten Sklaven von CSI herzlich empfangen und mit einem Startsack und einer Milchziege für ein Leben in Freiheit ausgerüstet. «Ich bin so glücklich, dass ich befreit wurde und hier ein eigenständiges Leben führen kann», strahlt sie vor Freude.

Reto Baliarda

 

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Projekt Südsudan