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Über 500 Teilnehmende in Genf fordern Frieden in Berg-Karabach

19. Oktober 2020

Während der türkisch-aserbaidschanische Krieg gegen Berg-Karabach in die vierte Woche geht, versammelten sich am 16. Oktober 2020 Hunderte von Armeniern und Verbündete in Genf. Sie verurteilten die Angriffe und forderten einen sofortigen Waffenstillstand sowie die Anerkennung der Unabhängigkeit Berg-Karabachs. Die Kundgebung wurde von der «Union Arménienne de Suisse» organisiert. Als unterstützende Organisation war Christian Solidarity International ebenfalls dabei.



Die friedliche Protestaktion begann in der Abenddämmerung am Ufer des Genfersees, wo sich die Demonstranten vor dem historischen Palais Wilson, dem ersten Hauptquartier des Völkerbundes, versammelten. Viele trugen die rot-blau-orange armenische Flagge sowie die Flagge Berg-Karabachs, die identisch ist, aber zusätzlich von einem weissen Dreieck überlagert wird.

Verkauf von Gesichtsmasken für die Kriegsopfer

Als die Dunkelheit einbrach, zündeten die Demonstranten Fackeln an und marschierten langsam zum Place des Nations vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen. Organisatoren mit Stierhörnern gaben der Menge Anweisungen auf Armenisch und Französisch. Die Demonstranten trugen Gesichtsmasken, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Einige Aktivisten verkauften Gesichtsmasken in den Farben der armenischen Flagge, um Spenden für die Hilfsmassnahmen in Berg-Karabach zu sammeln.

Auf dem Place des Nations bildeten die Demonstranten eine Menschenkette, die den Platz vollständig umschloss. Sie schwenkten Fahnen und skandierten gemeinsam auf Französisch und Armenisch.  Dabei wurden sie von einigen hupenden Autofahrern ermutigt.

Beunruhigt über die vorherrschende «Ignoranz»

Gianna* ist eine Italienerin, die in Genf arbeitet und internationales humanitäres Recht studiert. Wie sie gegenüber CSI erklärt, ist sie zur Kundgebung gekommen, um «auf Gerechtigkeit zu drängen und zu helfen, den Krieg zu beenden.» Sie erachtet den türkisch-aserbaidschanischen Angriff auf Berg-Karabach als eine bedenkliche Art und Weise, Territorium zu erobern, während die Weltgemeinschaft durch das Coronavirus und die US-Präsidentschaftswahlen abgelenkt ist.

Als Jurastudentin ist Gianna beunruhigt über die «Ignoranz», die in vielen Diskussionen über Berg-Karabach vorherrscht. Zu oft, sagt sie, «ignorieren Wissenschaftler, die in den Medien über den Fall sprechen, die Stimmen der Menschen aus Berg-Karabach.» Gerechtigkeit verlange von der internationalen Gemeinschaft, «Minderheiten zu schützen und ihr Recht auf Selbstbestimmung zu respektieren.»

«Wir lassen unsere Landsleute nicht im Stich»

«Ich möchte mit meiner Anwesenheit zum Audruck bringen, dass wir alle vereint sind und unsere Landsleute nicht im Stich lassen», betont Grigor*. Der Student aus Armeniens Hauptstadt Jerewan hat bereits einen Klassenkameraden verloren, der an der Front kämpfte.

Die internationale Reaktion auf den Krieg bezeichnet er als «enttäuschend»: «Nur wenige der Länder und internationalen Organisationen, die sich über den Krieg äussern, sprechen Klartext», bemerkt er. In der Regel würde man sich auf Ermahnungen beschränken, «dass ‚beide Seiten‘ die Feindseligkeiten beenden müssen. Dabei ignorieren sie die Tatsache, dass es in diesem Konflikt nur einen Aggressor gibt – Aserbaidschan». Grigor sagt, dass er vom Mut inspiriert ist, den seine Familie und Freunde in dieser Kriegszeit in Armenien bewiesen haben.

Auf die Frage, was er am meisten fürchtet, wenn sich der Krieg gegen die Armenier wendet, antwortet Grigor: «Im schlimmsten Fall – daran will ich gar nicht denken – würden viele Menschen sterben.»

Solidarität mit den bedrohten Armeniern

Anwesende CSI-Unterstützer trugen an der Kundgebung Schilder mit der Aufschrift: «Stoppt den nächsten Völkermord an den Armeniern!»  An der Demonstration nahmen überdies mehrere lokale und nationale Vertreter von politischen Parteien teil, ebenso  wie die Maronitische Kirche, die Schweizer Liga für Menschenrechte und andere Menschenrechtsorganisationen.

CSI solidarisiert sich mit den bedrohten Armeniern in Berg-Karabach. Sie wären ethnischen Säuberungen und Völkermord ausgesetzt, falls Aserbaidschan der Angriff auf die Region gelingen sollte. Grigor hofft, dass sich die Armenier auf der ganzen Welt für Berg-Karabach vereinen werden. Ebenso versucht CSI, die Christen zur Verteidigung der verfolgten Brüder und Schwestern zu vereinen, damit sie niemals allein dastehen werden.

Joel Veldkamp

*Namen aus Sicherheitsgründen geändert

 

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