Vermischung von Religionen bringt Christen in Bedrängnis

25. Juni 2017

In ländlichen Gebieten im Süden Mexikos kommt es immer wieder zu Übergriffen auf protestantische Christen. Dies vor allem deshalb, weil sie sich von den vorchristlichen Ritualen fernhalten, die in den Dorfgemeinschaften trotz erfolgter Christianisierung weiterhin ausgeübt werden.



 


Bitte setzen Sie sich für die Durchsetzung der Religions- freiheit in mexikanischen Dorfgemeinschaften ein

His Excellency
Henrique Peňa Nieto
President of Mexico
Casa Miguel Alemán,
PB, Col. San Miguel Chapultepec
11850, Ciudad de México
Distrito Federal

 

Your Excellency

We are very concerned about recurring reports on the harassment and physical violence against Christians in rural areas who due to their belief refrain from attending traditional religious festivals in their villages. It seems that local state authorities are reluctant to give proper attention to such cases. We would like to encourage you to instruct local authorities, as the executive branch of a constitutional state, to investigate and to document such cases carefully and to offer protection to victims of such incidents.

It is a noble cause that the constitution of Mexico provides for the protection of indigenous culture. However, this should not give cause to neglect the protection of religious liberty of adherents to other belief systems.

Yours respectfully

Wir sind sehr besorgt über die wiederkehrenden Berichte aus ländlichen Gebieten über Gewalt und Schikanen gegen Christen, die aufgrund ihres Glaubens nicht an traditionalistisch-religiösen Festen in ihren Dörfern teilnehmen möchten. Es scheint, dass die lokalen, staatlichen Behörden zurückhaltend sind, diesen Fällen die angemessene Aufmerksamkeit zu geben. Wir möchten Sie ermutigen, die lokalen Behörden, als ausführende Gewalt eines Rechtsstaates, anzuweisen, solche Fälle sorgfältig zu untersuchen, zu dokumentieren und die Opfer solcher Vorfälle zu schützen.

Es ist ein edles Anliegen, dass die Verfassung Mexikos den Schutz der indigenen Kultur vorsieht. Jedoch darf dies nicht dazu führen, dass der Schutz der Glaubensfreiheit für die Anhänger anderer Glaubensrichtungen vernachlässigt wird.


Am 7. Januar 2017 wurde der junge Christ Juan Gabriel Lopez Perez in Rancheria el Encanto, Staat Chiapas, drei Tage lang eingesperrt. Gabriel, der einer Pfingstgemeinde angehört, wurde von der Dorfgemeinschaft unter Druck gesetzt, seinem Glauben abzuschwören und an traditionalistischen Festivitäten teilzunehmen. Bei diesen Feiern werden vorchristliche Bräuche und christliche Elemente stark miteinander vermischt. Häufig arten sie in ein Trinkgelage aus. Gabriel kann die Teilnahme an diesen Feiern nicht mit seinem Glauben vereinbaren und blieb dem Fest fern. Schon zuvor wurde seiner Familie die Wasserversorgung abgeschnitten und der Zugang zur medizinischen Versorgung verwehrt. Die Kinder konnten im Dorf nicht mehr die Schule besuchen.

Der 28-Jährige nahm all diese Benachteiligungen in Kauf und lehnte sogar ab, als ein Vertreter der Regierung von Chiapas für Gabriel die Busse bezahlen wollte, damit er nicht ins Gefängnis müsse und so das «Problem aus der Welt geschaffen werde.»

Seit Jahren bedroht und schikaniert

Auch im Staat Jalisco wurde ein gewaltsamer Fall von Ausgrenzung von Evangelischen Christen gemeldet. Am 26. Januar 2016 wurden sieben christliche Familien nach einem Mehrheitsbeschluss der Dorfgemeinschaft aus Tuxpan de Bolaňos verjagt. Rosa Blanca Vázquez de la Rosa, eine der betroffenen Frauen, erinnert sich an die traumatisierende Vertreibung: «Ich wurde mit meinen Kindern nachts aus dem Haus gezerrt und in einen Lastwagen verfrachtet. Irgendwo im Niemandsland setzten sie uns wieder ab.» Seit der Vertreibung leben Rosa Blancas Familie und die anderen rund 30 Christen in engen Provisorien.

Die betroffenen christlichen Familien waren schon seit Jahren bedroht und zum Verlassen des Dorfes gedrängt worden. 2008 erstritt die Baptistenkonvention von Jaliscos Hauptstadt Guadalajara für die Familien eine gerichtliche Verfügung, dass sie im Dorf bleiben können. Trotzdem beschloss die Dorfverwaltung acht Jahre später, dass sie gehen müssen.

Mob verprügelte Pastor

Auch in San Juan, Bundesstaat Oaxaca, wurden kürzlich evangelische Christen aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen. Nachdem sie bereits länger unter Druck gesetzt und schikaniert worden waren, kam es schliesslich zu gewaltsamen Übergriffen.

Der Pastor der Gemeinde, Alonso Silva (43), wurde zusammengeschlagen und mit weiteren Gemeindemitgliedern in ein Gefängnis geworfen. Eine von ihnen, Guadalupe Aragon Reyes, berichtet, wie der Mob sie festnahm und dabei versuchte, ihr die Kleider vom Leib zu reissen. «Sie warfen mich in die Gefängniszelle, in der auch der Pastor nackt lag. Er war übel zugerichtet worden. Sein ganzes Gesicht war entstellt.»

Nach ihrer Entlassung wendete sich Guadalupe an die Behörden und bat diese um die Entlassung Alonsos. «Doch sie sagten nur, dass die Dorfbewohner ihn eingesperrt hätten und nicht sie.» Alle verjagten Christen konnten bis heute nicht mehr ins Dorf zurückkehren. Sie leben an einem geheimen Ort und geraten dabei nicht selten in wirtschaftliche Not. Dies auch weil sie ihr verlorenes Zuhause, wenn überhaupt, nur zu einem Spottpreis verkaufen können.

Religionsfreiheit gegen Autonomie der Dorfgemeinschaften?

Vorfälle dieser Art sind in Mexiko leider keine Seltenheit. Wie der «International Religious Freedom Report (IRFR)» der US-Regierung festhält, waren 2015 noch 70 Verfahren offen, in denen die Religionsfreiheit in Dorfgemeinschaften auf diese oder ähnliche Art verletzt wurde. Diese religiös motivierten Übergriffe spielten sich vor allem in den südlichen Bundesstaaten Chiapas, Hidalgo, Oaxaca, Puebla und Guerrero ab. Bis heute wurden Tausende von Christen aus ihren Dörfern vertrieben, weil sie an ihrem Glauben festhalten und deshalb nicht an den synkretistischen (religiös vermischten) Festivitäten teilnehmen. Denn gerade in ländlichen Gegenden führen viele Dorfgemeinschaften trotz erfolgter Christianisierung noch ihre vorchristlichen religiösen Praktiken durch.

Die Regierungen auf kommunaler, bundesstaatlicher und nationaler Ebene befinden sich dabei in einem Spannungsfeld. Einerseits muss sie die verfassungsrechtlich geltende Religionsfreiheit garantieren. Zugleich verlangt die Verfassung, dass die einheimischen Bräuche der traditionalistischen Gemeinschaften in Mexiko geschützt werden.

Dieses Dilemma, bei dem eine Balance gefunden werden muss, ist gemäss IRFR ein Mitgrund, dass die Behörden vor allem auf kommunaler und regionaler Ebene bei religiös motivierten Übergriffen oder Diskriminierungen in Dorfgemeinschaften häufig zaghaft reagieren, wenn überhaupt. In manchen Fällen werden die Opfer gar unter Druck gesetzt, von einer Anzeige abzusehen.

Immerhin führte die Regierung im Bundesstaat Chiapas 2015 einen Workshop für religiöse Toleranz und Diversität durch. Doch auch hier meldet der IRFR, dass nur selten gegen Dorfälteste ermittelt würde, die protestantische Christen schikanieren und gegen sie aufhetzen.

Reto Baliarda

 

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