Verurteilte Christen in Kandhamal: Ministerpräsident von Kerala will den Fall neu aufrollen

22. Dezember 2016

Das lässt hoffen: Der Ministerpräsident des südindischen Bundesstaats Kerala will, dass der Mord an den Hindu-Führer Swami Laxmanananda Saraswati neu untersucht wird. Die Tötung im August 2008 hatte das Kandhamal-Massaker ausgelöst. Sieben Christen wurden dafür scheinbar willkürlich zu lebenslänglicher Haft verurteilt.



Pinarayi Vijayan, der kommunistische Ministerpräsident von Kerala, hatte anlässich der Präsentation einer Übersetzung des Buchs «Wer hat Swami Laxmananananda umgebracht?» auf die Ungereimtheiten bei der Aufklärung des Mordfalls hingewiesen. Vijayan stützt sich dabei auf das investigative Buch des katholischen Journalisten Anto Akkara.

2008 wurden sieben christliche Männer – sechs davon sind Analphabeten – im Bundesstaat Odisha wegen des Mordes an Swami festgenommen und fünf Jahre später zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Die willkürliche Verurteilung hat den Familien der sieben Christen grossen Schaden zugefügt. Die meisten Kinder mussten in einem Heim untergebracht werden, weil die zurückgelassenen Ehefrauen sie nicht mehr ernähren können.

Die sieben Männer beteuern ihre Unschuld. Und diese Unschuld soll Akkara in seinem neuen Buch beweisen.

«Eine Verschwörung»

Ministerpräsident Vijayan hat Akkaras Buch sorgfältig gelesen und bemerkt: «Das Buch zeigt eindrücklich, dass die Anschuldigungen gegen die Christen, den Swami getötet zu haben, eine ausgeheckte Verschwörung sind. Und trotzdem sind die sieben Männer zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt worden.» Vijayan kann dies nicht akzeptieren: «Anto Akkara bringt in seinem Buch viele Beweise hervor. Deshalb muss eine neue Untersuchung zum Mordfall durchgeführt werden. Es ist dringend notwendig, dass die Unschuldigen gerettet und die wirklich Schuldigen bestraft werden.»

Wie Vijayan weiter ausführt, seien die Hindu-Mobs beim Kandhamal-Massaker angestiftet worden, die Christen anzugreifen. Die drei Monate andauernde Gewaltorgie nach dem Mord an Swami sei orchestriert gewesen.

Weitere Aussagen unterstützen die Verurteilten

Mit seiner Überzeugung, dass die sieben verurteilten Christen unschuldig sind steht Keralas Ministerpräsident nicht alleine da. Zwei ältere Polizeibeamte hatten letztes Jahr vor der zuständigen Rechtskommission in Kandhamal offiziell zu Protokoll gegeben, dass die Anschuldigungen gegen die sieben Angeklagten falsch seien. Ravivarma Kumar, «Generalanwalt» des indischen Bundesstaats Karnataka, betont dass die sieben Christen mit einer lebenslänglichen Freiheitsstraffe gebüsst wurden, obwohl es «keine Augenzeugen des Mordes an Swami und kaum Beweise» gebe.

Im Weiteren setzen sich seit vielen Jahren Anwälte und internationale Organisationen für die Freilassung der sieben verurteilten Christen ein.

Indiens Kommunisten und Hindu-Nationalisten geraten immer wieder aneinander. Die Kommunisten werfen den Nationalisten vor, dass sie Indiens Vielfalt nicht respektieren würden. Oft unterstützen die Kommunisten Minderheiten, die schikaniert werden.

Mit seinem Appell, den Mord an Swami neu zu untersuchen, hat Keralas Ministerpräsident Pinarayi Vijayan einen mutigen Schritt unternommen, um die christliche Minderheit in Indien zu unterstützen.

Reto Baliarda¨

Quelle: Worldwatchmonitor/ CSI

 

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