• Ägypten

Verurteilte koptische Teenager erhalten in der Schweiz Asyl

14. September 2016

Vier Teenagerbuben, die wegen eines umstrittenen Videos am 25. Februar 2016 zu fünf Jahre Haft verurteilt worden waren, sind am 1. September in die Schweiz geflogen. Sie haben dort Asyl erhalten.



Im umstrittenen Video, das die Knaben zusammen mit ihrem Lehrer Gad Younen im Dorf Al-Nasriyah aufgezeichnet hatten, wird eine Hinrichtungsszene nachgespielt, die jenen des Islamischen Staats ähnelt (CSI hatte darüber im Magazin vom Mai 2016 berichtet). Nach den Aufnahmen hatte Gad das Handy verlegt. Ein Muslim aus dem Dorf fand es und verbreitete das Video. Dies löste gewaltige Unruhen in Al-Nasriyah aus. Wütende Mobs zogen durchs Dorf. Mindestens 15 Geschäfte wurden zerstört oder schwer beschädigt. Die vier bedrohten Knaben wurden am 9. April von der Polizei brutal verhört und für 50 resp. 63 Tage ins Gefängnis gesteckt. Nach der Entlassung mussten die vier an geheimen Orten leben, weil sie um ihr Leben fürchten mussten.

Albir Shehata, einer der vier Knaben, kritisiert das erlittene Unrecht. «In Ägypten wird niemand wegen Blasphemie gegenüber Christen bestraft.» Tatsächlich wurde bisher erst ein Muslim, der Salafist Ahmad Mahmoud Abdullah, wegen antichristlicher Handlung verurteilt. Er hatte 2012 vor der amerikanischen Botschaft in Kairo eine Bibel verbrannt.

Für die Eltern der vier Jugendlichen war klar, dass ihre Söhne nicht in Ägypten bleiben konnten. Über verschlungene Wege gelangten sie zunächst in die Türkei. Dort kamen sie mit dem Netzwerk «Arbeitsgemeinschaft Religionsfreiheit (AGR)» in Kontakt, in der auch CSI vertreten ist, und baten dieses um Hilfe. Mit Unterstützung der beiden Menschenrechtsorganisationen «Human Rights Watch» und «Middle East Concern» ersuchte AGR das Staatssekretariat für Migration um einen Vorentscheid. Dieser fiel positiv aus. Ende August 2016 konnten die vier Kopten in die Schweiz einreisen. Die Flugkosten übernahm «Amnesty International».

Shehata ist dankbar, dass sie alle in der Schweiz ein neues Leben beginnen können. Zwei Pflegefamilien, die von AGR vermittelt wurden, betreuen nun die vier Jugendlichen.

Reto Baliarda

 

 

Ihr Kommentar zum Artikel

Kommentar erfolgreich abgesendet.

Der Kommentar wurde erfolgreich abgesendet, sobald er von einem Administrator verifiziert wurde, wird er hier angezeigt.