• Irak

Warme Kleider für 1350 Flüchtlingskinder

26. Februar 2020

Die irakische Regierung erklärte den Islamischen Staat im Dezember 2017 offiziell für besiegt. Doch es ist keineswegs Ruhe und Ordnung eingekehrt. Bis heute leben viele Menschen in Flüchtlingslagern. CSI war vor Ort und verteilte den Notleidenden warme Kleider und Winterjacken.



Der Winter im Nordirak ist hart. Zusammen mit den einheimischen Partnern von der Hammurabi-Menschenrechtsorganisation startete CSI im Dezember 2019 eine Winterjacken-Verteilung für 1350 verarmte Flüchtlingskinder.

Unsere erste Station ist das Flüchtlingslager Nishtiman (Kurdisch für «Heimat») in Erbil. Ich war bereits im Dezember 2017 hier, doch viele Gesichter sind neu. Die meisten früheren Bewohner kehrten in ihre Häuser in der Ninive-Ebene zurück – oder konnten ins Ausland auswandern. Andere haben einen Platz im Lager eingenommen: syrische Flüchtlinge oder Iraker, die weder nach Hause zurückkehren noch eine Miete in Erbil aufbringen können. «Hier leben wir wie eine Familie», sagt uns der Lagerleiter. «Es spielt keine Rolle, ob du Syrer oder Iraker bist, Christ oder Muslim.»

Keine Zukunft in der alten Heimat

Ich lerne einen jungen Vater aus Bartella kennen, einem Dorf in der Ninive-Ebene. 2014 lebten dort rund 3500 christliche Familien und bildeten die Mehrheit. Nur 40 % von ihnen sind bis heute zurückgekehrt.* Die Mehrheit stellen heute schiitische Schabaken.

Dass die Christen nur zögerlich zurückkehren, liegt teils an der Zerstörung ihrer Häuser – auch der junge Vater ist betroffen. Viele misstrauen jedoch auch der mehrere tausend Mann starken Schabaken-Miliz, die in Bartella stationiert ist. Mein Gesprächspartner hält das Leben als Flüchtling immer noch für besser als das Leben in einem «christlichen Ghetto», wie er es nennt, unter der Kontrolle einer eigenwilligen Miliz.

Zwischen den Fronten

Die Präsenz zahlreicher Milizen mit unterschiedlichen Interessen beunruhigt. Die steigenden Spannungen zwischen dem Iran und den USA sind ein weiterer Grund zur Sorge. Die Befürchtung vieler Iraker, dass sie zwischen die Fronten geraten könnten, bewahrheitet sich Anfang Januar 2020: Eine amerikanische Drohne tötet auf irakischem Boden den legendären iranischen General Ghassem Soleimani und den irakischen Befehlshaber einer schiitischen Miliz, Abu Mahdi al-Muhandis.

Irakische Christen, die in der Vergangenheit oft für die Taten der Amerikaner büssen mussten, fühlen sich extrem verletzlich und befürchten, einmal mehr zu Sündenböcken zu werden.

«Werden wir überleben?»

Wir besuchen auch jesidische Flüchtlingskinder in der Nähe von Dohuk, die teils in Flüchtlingslagern, teils in nahegelegenen Dörfern leben. Die meisten von ihnen wurden vom IS aus dem Sindschar-Distrikt vertrieben. Einige stammen sogar aus Syrien, darunter auch einige aus Afrin. Alle Kinder haben wegen des IS, der die Jesiden auslöschen wollte, mindestens ein Familienmitglied verloren. Manche wurden vom IS entführt und erst kürzlich freigelassen. Sie alle sind schwer traumatisiert.

«Wird unsere Gemeinschaft überleben? Wie?», fragt fast jeder jesidische Anführer, den ich treffe. Die alte, geheimnisumwitterte ethno-religiöse Gemeinschaft der Jesiden kämpft um einen gemeinsamen Weg in die Zukunft. Sie steht vor der Herausforderung, ihre Kinder und Frauen, die vom IS entführt worden waren, wieder zu integrieren sowie sicherzustellen, dass ihre Sprache, Kultur und Religion an die nächste Generation übergeht.

Die Jesiden fühlen sich vom Rest der Welt vergessen und stehen unter extremem Druck der lokalen Regierung und verschiedener Milizen. Sie sind äusserst dankbar für unsere Solidarität. Ich werde das strahlende Lächeln von einigen dieser jesidischen Kinder nie vergessen.

Projektmanagerin Hélène Rey

* Zahlen von Kirche in Not

 


CSI-Unterstützer setzt sich für irakische Christen ein

Fritz Wälchli ist Mitglied der Kommission «Solidarität mit bedrängten und verfolgten Christen» der evang.-ref. Kirche TG. Er unterstützt CSI seit Jahren. Nun hat er in der Thurgauer Synode eine Petition lanciert mit dem Anliegen, dass der Bund die bedrängten Christen im Irak finanziell und moralisch unterstützt. 

CSI: Warum diese Petition?

Fritz Wälchli: Wir gedenken jedes Jahr während der Passionszeit besonders der verfolgten Christen. Letztes Jahr war Nordirak der Schwerpunkt. In der Vorbereitung las ich von Kardinal Christoph Schönborn aus Österreich, der die Regierung mit irakischen Würdenträgern in Kontakt brachte, worauf diese für die verfolgten Christen eine Million Euro sprach. Ich fand, das würde auch der Schweiz gut anstehen.

In der Synode gab es sehr viel Sympathie für dieses Anliegen.

Ja, 93 von 110 anwesenden Synodalen haben unterschrieben. Die Synode ist dank der Kommissionsarbeit für dieses Anliegen sensibilisiert. Wir führen regelmässig Veranstaltungen durch, zudem existiert ein Fonds für Nothilfe für verfolgte Christen.

Wie geht es weiter?

Ich habe die Petition Ruth Pfister übergeben (Foto), die Mitglied des Rats der Evangelischen Kirche Schweiz (früher SEK) ist. Der Rat wird sicher reagieren und erfolgversprechende Möglichkeiten suchen, dem Anliegen zu entsprechen.

Petition von Fritz Waelchli

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