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Wege in eine bessere Zukunft

27. April 2017

Auf seiner letzten Nigeriareise besuchte CSI-Projektleiter Franco Majok drei Gebiete, in denen CSI aktiv ist: Maiduguri im Bundesstaat Borno, Kano im gleichnamigen Bundesstaat und Jos im Bundesstaat Plateau. Majok berichtet über die aktuelle Situation und die Herausforderungen, die sich dort stellen. Weiter zeigt er auf, wie CSI mit den lokalen Partnern die Projekte weiterentwickelt.



Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Für Christen ist es eines der gefährlichsten Länder der Welt. Aus Nigeria stammt die islamistische Terrorgruppe Boko Haram, die nach Schätzungen der UNO seit 2009 über 20 000 Personen getötet und über zwei Millionen aus ihren Häusern vertrieben hat. In den von Boko Haram kontrollierten Gebieten wurden die verbleibenden Christen zur Konversion zum Islam gezwungen. In anderen Teilen im Norden Nigerias leidet die Bevölkerung unter diskriminierenden Bestimmungen der Scharia und unter Banden gut bewaffneter muslimisch-extremistischer Fulani-Nomaden, die mit brutalen Massakern gegen christliche Dörfer vorgehen, in der Absicht, diese religiös zu säubern.

CSI ist seit 2013 in Nigeria tätig und hilft Christen, die ihr Zuhause wegen des Terrors verlassen mussten. Im Februar 2017 reiste CSI-Projektleiter Franco Majok nach Nordnigeria, um die dortigen CSI-Projekte zu besuchen.

Maiduguri: Zufluchtsort inmitten der Gewalt?

Als Franco Majok in Maiduguri, der Hauptstadt des Bundesstaats Borno, ankam, war es in der Stadt relativ ruhig. Bisher hatte die angespannte Sicherheitslage eine Reise nach Maiduguri verhindert. Die starke Präsenz der Armee erinnerte jedoch daran, dass Boko Haram ausserhalb von Maiduguri – trotz ernsthafter Bemühungen des nigerianischen Militärs – noch immer ihr Unwesen treibt.

«Die meisten christlichen Dörfer im Nordosten Nigerias wurden von Boko Haram zerstört», sagt Franco Majok. Er konnte in Maiduguri drei der vier Flüchtlingslager für vertriebene Christen besuchen. Im grössten Lager wohnen 4881 Personen. Es ist das einzige, das von den Behörden anerkannt ist. Trotzdem ist die Situation prekär: Es mangelt an Nahrung und Medizin; die Kinder haben keinen Zugang zu Bildung.

Unser Partner im Bundesstaat Borno ist die katholische Diözese Maiduguri. Die Diözese verwaltet eines der kleineren Flüchtlingslager, wo die Bedingungen deutlich besser sind: Die Kinder gehen zur Schule und lokale Ärzte bieten vergünstigte medizinische Behandlung an. CSI hilft vertriebenen Christen in diesen Lagern mit Nahrung und Medizin. Wir hoffen, dass wir in Zukunft auch längerfristige Projekte unterstützen können, damit die Vertriebenen wieder auf eigenen Füssen stehen können.

Kano: Widerstand gegen Vernachlässigung

Von Maiduguri reiste Franco Majok weiter in den Bundesstaat Kano. In diesem mehrheitlich muslimischen Bundesstaat ist seit 2000 die Scharia in Kraft. Die Christen leiden hier nicht unter dem Terror von Boko Haram, sondern unter ihrer extremen Marginalisierung. «Diese Christen gehören dem Hausa-Stamm an, der mehrheitlich muslimisch ist», berichtet der erfahrene Projektleiter. «In den sechs abgelegenen Dörfern, in denen die Christen leben, wird ihnen buchstäblich alles vorenthalten.» Sie haben kein sauberes Wasser, keinen Strom, keinen Handy-Empfang, keine Schule und kein Spital. Sie bilden mit mehreren grösseren muslimischen Dörfern eine Gemeinde, weshalb sie in den lokalen Behörden untervertreten sind und ihre Bedürfnisse gezielt vernachlässigt werden.

Um diesen Dörfern zu helfen, arbeitet CSI mit der lokalen Diözese zusammen, die dank der unermüdlichen Arbeit von Bischof Niyiriny ausserordentlich gut organisiert ist. Während es in Maiduguri immer noch um Soforthilfe für Opfer von Boko Haram geht, können wir uns in Kano auf längerfristige Projekte konzentrieren.

Die Diözese hat kürzlich ein Spital gebaut, dessen Ausstattung CSI mitfinanziert hat. Mit der Finanzierung von Bohrungen für einen Grundwasserbrunnen ermöglicht CSI den Zugang zu sauberem Wasser. Der Bischof wird in Kürze ein Pilotprojekt starten, um ein Team in Ackerbau und Anbau von Saatgut auszubilden. Dieses Team soll dann einen Traktor und ein kleines Stück Land erhalten. Falls das Projekt erfolgreich ist, soll es auf weitere Dorfbewohner ausgedehnt werden. Eine andere Idee ist es, Jugendliche mit der Herstellung von Produkten wie Seife und Joghurt vertraut zu machen, damit sie ein kleines Unternehmen gründen können.

Jos: Hoffnung für die Zukunft

Nach einer vierstündigen Fahrt und unzähligen Polizei- und Armee-Checkpoints erreichte Franco Majok die letzte Station seiner Reise: Jos, die Hauptstadt des mehrheitlich christlichen Bundesstaats Plateau. Er kam nahe an den Bundesstaat Kaduna heran, in dessen Süden CSI ebenfalls aktiv ist. Wegen andauernden Angriffen der Fulani-Hirten auf die lokale Bevölkerung konnte Franco Majok diese Gegend jedoch nicht besuchen. «Diese schwierige Reise zeigt, dass die Sicherheitslage in Nordnigeria immer noch heikel ist, ganz besonders ausserhalb der grösseren Städte», so Franco.

Viele Christen aus dem Nordosten, die vor Zerstörung und Tod durch Boko Haram geflohen sind, suchen im Bundesstaat Plateau Zuflucht . CSI-Partnerin in Jos ist die lokale Stefanos Foundation. Sie verwaltet ein Flüchtlingslager mit 42 Familien aus dem Bundesstaat Borno, deren Dörfer von Boko Haram zerstört worden waren. Es war das beste aller Flüchtlingslager, das Franco Majok besuchte: Es gab sogar eine Schule und eine kleine Klinik.

CSI hilft Personen aus diesem Flüchtlingslager, ihren eigenen kleinen Landwirtschaftsbetrieb oder ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Auf dieser Reise unterstützte CSI zwei Personen mit einem Stück Ackerland und half einer weiteren Person, im Ziegenhandel aktiv zu werden. Es ist wichtig für die Leute im Flüchtlingslager, Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu haben. Mit eigenen Unternehmen sind sie nicht mehr nur Opfer, sondern Arbeiter und Ernährer für ihre Familien.

«Die Furcht vor Boko Haram und den Fulani-Hirten ist allgegenwärtig»

Borno, Kano, Plateau, Kaduna: Die Situation mag von Bundesstaat zu Bundesstaat variieren, aber überall sind die Christen von der Islamisierung bedroht, sei es durch die Terrorgruppe Boko Haram oder die Fulani-Nomaden, sei es weniger offensichtlich durch Marginalisierung und Diskriminierung, zum Beispiel beim Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen. Manche Christen sind gezwungen, alles hinter sich zu lassen und ein unsicheres Lager-Leben zu führen; andere mühen sich ab, um trotz der Gefahr im Land ihrer Vorfahren zu bleiben. Alle brauchen Hoffnung.

«Die Furcht vor Boko Haram und den Fulani-Hirten ist allgegenwärtig», sagte Franco Majok nach seiner Rückkehr aus Nigeria. Aber selbst angesichts dieser Gefahr halten die nigerianischen Christen zusammen und zeigen Mut und Kraft, um vorwärts zu gehen. Unterstützen wir sie dabei!

Hélène Rey

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