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Werden Christen durch die neue Regierung besser geschützt?

25. März 2017

Am 8. Februar 2017 wurde Mohamed Abdullahi Farmajo zum neuen Präsidenten von Somalia gewählt. Im Bürgerkriegsland herrscht weiterhin Chaos und Gewalt. Der Terror der Al-Shabaab-Dschihadisten ist weit verbreitet. Kann Farmajo die Lage der Christen im Scharia-Staat verbessern?



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Somalia, das Land am Horn von Afrika, galt lange als gescheiterter Staat. Von 1991 bis 2012 tobte ein heftiger Bürgerkrieg. In dieser Zeit wuchs die islamistische Terrormiliz Al-Shabaab heran, die die Freiheiten des ohnehin schon streng islamischen Landes noch mehr einschränken will. 2012 konnte nach 21 Jahren erstmals wieder eine Regierung gewählt werden. Präsident wurde damals Hassan Sheikh Mohamud.

Wahl unter strengen Sicherheitsvorkehrungen

Nun wurde am 8. Februar 2017 mit Farmajo ein neuer Präsident gewählt. Die Wahl fand unter höchster Sicherheitsstufe in einem streng bewachten Hangar des Flughafens von Somalias immer noch weitgehend zerstörter Hauptstadt Mogadischu statt. Die Sicherheitsvorkehrungen scheinen gerechtfertigt. Denn nur zwei Wochen zuvor, am 25. Januar 2017, wurden bei einer Explosion von zwei Autobomben vor dem Hotel «Dhaya» in Mogadischu 28 Menschen getötet. Al-Shabaab hatte sich zum Anschlag bekannt.

Die Wahl von Farmajo wurde als Meilenstein auf dem Weg zur Demokratie bezeichnet. Zum friedlichen Übergang trug auch bei, dass der bisherige und wieder kandidierende Präsident Mohamud seine Wahlniederlage eingestand. Farmajo dankte seinem Vorgänger und sprach von einem «neuen Kapitel für Somalia». Dabei wurde er nicht vom somalischen Volk, sondern mittels eines komplexen Verfahrens durch das Parlament, das auch Repräsentanten diverser Clans viel Gewicht einräumte, gewählt. Diese Clans bestimmen die Gesellschaft Somalias.

Herausforderungen einer geschwächten Regierung

Am Abend zogen Tausende Menschen jubelnd durch die Strassen von Mogadischu, um Farmajos Sieg zu feiern. Doch die Herausforderungen für die neue Regierung sind immens. Farmajo muss versuchen, ein kriegsgeplagtes Land zu vereinen, das immer noch sehr zerrissen ist.

Terror und islamistische Unterdrückung

Der Kampf gegen die Islamistenmiliz Al-Shabaab bleibt ein Kernthema. Die sunnitischen Extremisten, die seit Jahren einen Gottesstaat errichten wollen, beherrschen noch immer weite Teile des Landes. Und obschon einige ihrer Gebiete in den letzten Monaten zurückerobert werden konnten, muss die geschwächte Regierung durch 22 000 Polizisten der Afrikanischen Union unterstützt werden, um halbwegs funktionsfähig zu sein.

Islam ist Staatsreligion

Die kleine christliche Minderheit in Somalia wird trotz der Versprechen von Farmajo von der neuen Regierung kaum viel erwarten können. Schon der ehemalige Präsident Mohamud hatte 2012 nach seiner Wahl betont, seine Regierung würde sich für «Frieden, Freundlichkeit, Respekt und Menschenrechte» in Somalia einsetzen. Doch die Lage für die Christen hat sich bis heute nicht wirklich verbessert.

Obwohl laut der Verfassung jeder Mensch in Somalia seinen Glauben frei ausüben kann, darf nur der Islam weiter verbreitet werden. Der Islam ist Somalias Staatsreligion. Ein Gesetz kann nur in Kraft treten, wenn es sich mit der Scharia im Einklang befindet. Zudem muss in jeder Schule, ob privat oder öffentlich, der Islam gelehrt werden.

Christen leben gefährlich

Im ländlichen Somalia werden Christen von den Dschihadisten der Al-Shabaab-Miliz gnadenlos angegriffen. Zahlreiche Kirchen und Häuser von Christen wurden durch sie schon zerstört. Doch immer wieder kommt es auch zu Übergriffen durch muslimische Mitbewohner, Stammesführer und lokale Behörden. Schon ein Verdacht, dass sich jemand dem Christentum zugewendet hat, kann für den Betreffenden tödlich enden. Besonders gefährlich leben ehemalige Muslime. Ein Konvertit, der von seiner Familie bedroht wurde, musste fliehen. Eine Konversion vom Islam zu einer anderen Religion wird in der somalischen Gesellschaft nicht akzeptiert. Ausdrücklich verbieten tut die Regierung dies jedoch nicht. Dennoch brauchen Täter bei entsprechenden Übergriffen kaum eine Strafverfolgung zu fürchten.

Früher gab es in Somalia eine lebendige christliche Gemeinschaft. Heute sind nur noch etwa 0,35 % aller Somalier Christen. Nicht-Sunniten (Schiiten, Christen und andere) machen etwa 1 % aus. Das Christentum überlebt in Somalia nur noch aufgrund dieser mutigen Konvertiten und dies, obwohl sie im Untergrund leben und ihren Glauben nur im Stillen und Verborgenen ausleben können.

Reto Baliarda

 


 

Gefährliche Terrormiliz Al Shabaab

Die Terrormiliz Al-Shabaab entstand zwischen 2004 und 2006. Vorgeblich mit dem Ziel, klare Verhältnisse im Bürgerkriegsland zu schaffen, wurde ein militanter Flügel – die Shabaab – gegründet. In ihrem Herrschaftsgebiet gilt ein strenger, wahhabitischer Islam. Frauen, die nicht verschleiert sind, droht der Tod. In den Schulen müssen die Lehrer den Dschihad verherrlichen. Kinos, Fernsehen, Internet oder säkulare Musik sind in den von der Miliz besetzten Gebieten tabu.

Immer wieder verübt Al-Shabaab folgenschwere Attentate. Der schlimmste Anschlag war der Überfall auf das Einkaufszentrum «Westgate Mall» in Kenias Hauptstadt Nairobi im September 2013 mit 67 Todesopfern.

 

Somaliland und Puntland

Der Einfluss der neuen somalischen Regierung bleibt auch deshalb klein, weil sich die Region Somaliland ganz im Norden von Somalia losgesagt hat. Im Gegensatz zum Chaos in Somalia herrschen in Somaliland überraschend geordnete Verhältnisse. Puntland im Norden und Jubaland im Süden funktionieren teilautonom.

Auch in Somaliland, Puntland und Jubaland herrscht ein strenger Islam. Der Islam ist dort gemäss Verfassung Staatsreligion. Muslime können nicht einen anderen Glauben annehmen. Keine andere Religion als der Islam darf verbreitet werden. Nicht-sunnitische Gruppierungen wurden bislang sowohl in Somaliland als auch in Puntland nicht verfolgt.

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