• Irak

Zukunftsträume von jesidischen Geschwistern

15. Dezember 2015

Das jesidische Geschwisterpaar Ezra (15) und Sahra (18)* konnte mit ihrer Familie vor dem IS-Terror fliehen. Bei der Hilfsgüterverteilung von CSI im irakischen Kurdistan erzählen sie über ihre Familie und ihre Zukunftspläne.




Irak: Hilfe für Vertriebene

CHF 45 Winterjacken für fünf Kinder
CHF 70 Lebensmittelpaket für zwei Familien für einen Monat
CHF 100 Beitrag für medizinische Versorgung und Schulmaterial
individueller Betrag

Die Verteilung der Hilfsgüter im Zelt verläuft ordnungsgemäss und problemlos. Zwei bis drei Kinder betreten pro Mal jeweils das Zelt. Die anderen warten draussen. Unter diesen geduldigen Personen hat es einzelne handikapierte Menschen und Kleinwüchsige.

«Ich möchte gerne einmal Arzt werden», erklärt Ezra, als er während der Hilfsgüterverteilung mit CSI-Mitarbeiter Adrian Hartmann ins Gespräch kommt. Seine Hoffnung auf eine bessere Zukunft hat Ezra wahrlich nicht verloren, obschon er mit Blick auf die vergangenen Monate seines Lebens wohl allen Grund dazu hätte. Zusammen mit seiner Familie floh Ezra im August 2014 aus seiner Heimat Sindschar vor den mörderischen Terroristen des Islamischen Staats. Nun haust er mit seinen Eltern und den fünf Geschwistern in einem Flüchtlingszelt nahe der Stadt Dohuk.

Ezra besucht die neunte Klasse. In seiner Schule hat es ausschliesslich Flüchtlingskinder, obschon die Lehrer einheimische Kurden sind. Mit 15 Jahren ist Ezra älter, als es den Anschein erweckt. Auch seine grosse Schwester Sahra, die sich nach einer Weile dem Gespräch anschliesst, sieht jünger aus als eine 18-Jährige. Sie wird nächstes Jahr die Schule beenden und würde dann gerne nach Dohuk aufs College gehen.

Verwandte in Europa

Sahra und Ezra haben Verwandte, die vor einigen Monaten über die Türkei und Ungarn nach Deutschland geflohen sind. 8000 Dollar pro Person hatten sie dafür bezahlen müssen. Einen Teil davon konnten sie mit dem Verkauf ihres Autos finanzieren. Ein Auto, das vielleicht lebensrettend war, waren sie doch damit – zusammen mit Sahras Familie – aus Sindschar geflohen.

Kampf fern von «Zuhause»

Sahra freut sich, dem CSI-Mitarbeiter ihr Zuhause zu zeigen. Nachdem sie das Zelt betreten haben, bietet die gastfreundliche Jesidin Wasser zum Trinken an. Auch Sahras Vater ist anwesend. Er verbringt jeweils 15 bis 20 Tage hintereinander in Sindschar und kämpft dort zusammen mit den kurdischen Peschmerga gegen die Terrormiliz IS. Dafür erhält er anschliessend mindestens zehn Tage frei, in denen er zu seiner Familie fahren kann.

Im Zelt fällt ein Foto von Masud Barzani, dem Präsidenten Kurdistans, auf. Dies mag etwas erstaunen. Denn viele Jesiden, mit denen CSI bislang gesprochen hatte, fühlten sich von den kurdischen Peschmerga im Stich gelassen, als diese im August 2014 in Sindschar von der Terrormiliz IS angegriffen wurden.

Reto Baliarda

 


Über 600 Winterjacken für Kinder und Frauen

Diesen Herbst reisten CSI-Projektleiter John Eibner und sein Assistent Adrian Hartmann nach Dohuk im kurdischen Teil Iraks, um Hygieneartikel und Winterjacken an jesidische Flüchtlinge zu verteilen. Zusammen mit der einheimischen Partnerorganisation Hammurabi konnte wie folgt geholfen werden:

  • 450 Winterjacken für Kinder, 188 Winterjacken für Frauen
  • 1574 Hygienekörbe von rund CHF 20.–
  • 115 Lebensmittelpakete
  • Medikamente im Wert von jeweils CHF 8000.– für zwei Apotheken in je einem Flüchtlingslager in Erbil und in Dohuk
  • Weitere Hilfsgüter wie Wasserfilter
  • Die Verteilungsaktionen werden durch unsere Partner vor Ort weitergeführt.

 Sako: «Weggehen ist keine Lösung»

Für religiöse Minderheiten wie die Jesiden oder die Christen sind die Lebensbedingungen im Irak äusserst prekär. Dennoch hatte der chaldäische Patriarch Louis Raphaël Sako die irakischen Christen zum Verbleib in ihrer Heimat aufgerufen. «Weggehen ist keine Lösung», meinte er gegenüber dem «Osservatore Romano».

Auch Schwester Luma Khuder, die sich um Geflohene in Erbil kümmert, möchte gemäss Radio Vatikan alles daran setzen, dass Christen im Irak bleiben können. «Solange es noch einen Christen im Irak gibt, bleiben wir da.»

Weitere Bilder über die Hilfsgüterverteilung an jesidische Flüchtlinge im Kurdistan finden Sie hier.

Ihr Kommentar zum Artikel

Kommentar erfolgreich abgesendet.

Der Kommentar wurde erfolgreich abgesendet, sobald er von einem Administrator verifiziert wurde, wird er hier angezeigt.

Projekt Irak