• Myanmar

Zur rechten Zeit am rechten Ort

27. Januar 2020

Die Lage für Minderheiten in Myanmar ist verheerend. Während die Not der hauptsächlich muslimischen Rohingya grosse Aufmerksamkeit bekommt, kennen nur wenige das Leid vieler Christen in Myanmar. CSI hat einige von ihnen besucht – genau zum richtigen Zeitpunkt.



Im Dezember 2019 eröffnete der Internationale Gerichtshof der Vereinten Nationen ein Verfahren gegen Myanmar: Das Land ist des Genozids an seiner muslimischen Minderheit der Rohingya angeklagt. 2017 ging die Armee nach einem Anschlag massiv gegen die Rohingya vor, worauf innerhalb von wenigen Monaten über 700 000 Rohingya nach Bangladesch flüchteten. Bangladesch war mit dem Ansturm völlig überfordert. Auch CSI startete eine Nothilfe-Aktion.

Reise zu den Vergessenen

Die Übergriffe der Armee gegen Minderheiten sind leider nicht neu. Weitere ethnische Minderheiten – viele von ihnen Christen – werden seit Jahrzehnten aus ihren Dörfern vertrieben. Zehntausende befinden sich in Thailand. Andere haben keine Möglichkeit, das Land zu verlassen, und hausen seit Jahren unter erbärmlichen Umständen in Flüchtlingslagern an der Grenze. Zu ihnen wollen wir gehen.

Mit einem mulmigen Gefühl begeben wir uns auf eine mehrstündige Fahrt auf thailändischen Schlammwegen. Getarnt überqueren wir mit einem Boot den Grenzfluss nach Myanmar. Wie dankbar sind wir, dass uns weder die thailändische noch die myanmarische Armee zu bemerken scheint! Bald erreichen wir unversehrt unser Ziel: ein Flüchtlingslager, in dem rund 700 mehrheitlich christliche Karen leben.

Angriff jederzeit möglich

Wir verbringen zwei Tage in diesem Lager. Die Anspannung ist immer spürbar: Die myanmarische Armee kann das Flüchtlingslager jederzeit angreifen. Rund um die Uhr wird es von der Karen-Miliz bewacht. Die Karen hausen in einfachen Pfahlbauten. Man sitzt und schläft auf dem harten Holzboden, Kissen gibt es keine. Viele der Bewohner sind seit Jahren im Lager und haben keine Hoffnung, es je wieder zu verlassen.

«Seit dem achten Lebensjahr bin ich immer auf der Flucht», erzählt uns ein 43-jähriger dreifacher Vater. Die Armee zerstörte sein Dorf mehrfach, auch an anderen Orten war er nicht sicher. 2006 gab er auf und suchte Zuflucht im Flüchtlingslager.

CSI ermöglicht Transport und Operation

Wir hören von einer 25-jährigen Frau, die im zehnten Monat schwanger sei. Sie schwebe in Lebensgefahr. Die junge Frau liegt wimmernd auf einer einfachen Pritsche und krümmt sich vor Schmerzen. Das angelernte medizinische Personal im Flüchtlingslager ist mit der Situation überfordert. Für die Verlegung in ein Spital nach Thailand fehlt das Geld. Gleichzeitig erfahren wir von einem anderen Notfall: Ein 14-Jähriger habe seit einem Monat enorme Schmerzen im Bauch. Auch er ist verzweifelt, sein Gesicht schmerzverzerrt.

Wir setzen sogleich alle Hebel in Bewegung, um die drei Menschenleben zu retten. Sie müssen unbedingt in ein Spital nach Thailand gebracht werden. Wie erleichtert sind wir, als die drei die beschwerliche mehrstündige Reise per Boot und Auto heil überstehen und im Spital ankommen! Später hören wir, dass alle drei überlebt haben, auch das Baby sei wohlauf. Wir sind zutiefst berührt und unendlich dankbar.

Für die Zukunft will CSI die nötigen Mittel bereitstellen, damit Schwerkranke wie die schwangere Frau ins Spital transportiert und behandelt werden können. 

 


 

ChristInnen in Myanmar

Myanmars Bevölkerung ist zum grössten Teil burmesisch-buddhistisch. Rund 6 % der 54 Millionen Einwohner sind ChristInnen. Die Mehrheit von ihnen gehört den ethnischen Minderheiten der Karen, Karenni, Kachin und Chin an. Sie leben vor allem in den wirtschaftlich wichtigen Regionen an der Grenze von Myanmar zu Thailand, China und Indien. Viele Christen leben in Gebieten, die von ethnischen Rebellengruppen kontrolliert werden. Sie werden seit Jahrzehnten von der Armee attackiert, die das Land jahrelang beherrscht hat. 2015 fanden erstmals seit 25 Jahren freie Wahlen statt. Seither ist Aung San Suu Kyi de facto Regierungschefin. Für die religiösen und ethnischen Minderheiten hat sich unter der grossen Hoffnungsträgerin, die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, allerdings wenig geändert: Sie sind weiterhin mit Repression und Angriffen konfrontiert.

 

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