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Corona-Pandemie: Wovon sollen sich arbeitslose Tagelöhner in Pakistan ernähren?

02. April 2020

Auch in Pakistan steigt die Anzahl Corona-Infizierter kontinuierlich an. Vor allem Schiiten werden für die Pandemie verantwortlich gemacht. Die Ausgangssperre hat unzählige einfache Arbeiter und Tagelöhner ins Elend gestürzt, so auch den fünffachen Familienvater und Christ Majeed Masih aus Karatschi. Die lokalen CSI-Partner verteilen in der südpakistanischen Grossstadt Nahrungsmittelpakete an die ärmsten Opfer der Corona-Krise.



Die Corona-Pandemie stellt den Alltag der Pakistaner auf dem Kopf. Am Abend des 1. April 2020 hatten sich offiziell 2118 Menschen in Pakistan mit dem Coronavirus infiziert. Bereits am 23. März hatte das Militär den Lockdown durchgesetzt, nachdem die Landesregierung aus wirtschaftlichen Gründen von einer Ausgangssperre absehen wollte.

Die ohnehin schon instabile Lage im bevölkerungsreichen Pakistan wird durch die Corona-Pandemie und deren Konsequenzen nochmals massiv verschärft. So haben die religiösen Spannungen im mehrheitlich sunnitischen Land massiv zugenommen.

Schiitische Gemeinschaft als Sündenbock

Bei einem grossen Teil der Corona-Infizierten handelt es sich um Angehörige der ohnehin schon benachteiligten schiitischen Minderheit Hazara, die in der westpakistanischen Provonz Balochistan lebt. Viele dieser Betroffenen waren vor kurzem von Pilgerreisen aus dem Iran zurückgekehrt und sollen das Virus nach Pakistan eingeschleppt haben. in Pakistan verbreitet haben.

In der Provinzhauptstadt Quetta wurden deshalb zwei Hazara-Quartiere komplett abgeriegelt. Polizisten, die der schiitischen Hazara-Gemeinschaft angehören, wurden von ihrem Dienst freigestellt. Vor allem in den Sozialen Medien müssen die schiitische Hazara als Sündenböcke für die Ausbreitung des Coronavirus herhalten. Man spricht vom «Schiiten-Virus».

Freitagsgebete oder Gottes Zorn

Die angeordnete Ausgangssperre wird von vielen extremistischen Geistlichen missachtet. Sie weigern sich, die Gebetsaktivität in den Moscheen einzuschränken. Es würde Gottes Zorn nur stärken, wenn die Freitagsgebete nicht wie gewohnt stattfinden würden, mahnen diese Geistlichen.

Mit seiner schwachen Infrastruktur und dem angeschlagenen Gesundheitssystem ist Pakistan auf die Corona-Pandemie schlecht vorbereitet. Zahlreiche Ärzte und Krankenpfleger fühlen sich vom Staat vernachlässigt. Aus Protest bleiben sie von ihrer Arbeit fern, wodurch sich die Gesundheitsversorgung nochmals verschlimmern wird.

Dramatische Folgen – vor allem für Minderheiten

Besonders dramatisch sind in Pakistan – wie auch in anderen Ländern – die wirtschaftlichen Folgen, die der Lockdown aufgrund des Coronavirus nach sich zieht. Millionen von einfachen Angestellten und Tagelöhnern haben ihre Arbeit verloren. Sie sitzen daheim in ihrer winzigen Behausung und werden völlig im Ungewissen gelassen, wann sie wieder Arbeit finden können.

Die pakistanische Regierung hat zwar diesen schwer betroffenen Menschen eine monatliche Unterstützung von umgerechnet 20 Franken versprochen. Doch wie sie diesen ohnehin nicht ausreichenden finanziellen Zustupf leisten will, ist unklar.

Zwar gibt es in Pakistan zahlreiche Wohltätigkeitsinitiativen, die sich um die ärmste Bevölkerungsschicht kümmern. Doch bei ihrer Nahrungsmittelverteilung werden häufig nur Muslime berücksichtigt, da diese Initiativen von Moscheen organisiert werden. In Stadtvierteln, in denen Christen leben, werden solche Verteilaktionen schon gar nicht durchgeführt. Den meisten Kirchen fehlen schlichtweg die Mittel, um bedürftige Mitglieder zu versorgen.

Die Not der Familie Masih

Auch die siebenköpfige, christliche Familie von Tagelöhner Majeed Masih steht seit dem Lockdown ohne Einkommen vor den Nichts. Majeed, der in der Grossstadt Karatschi seine Fähigkeiten als Maurer anbietet, stand vor der Ausgangssperre täglich mit anderen Handwerkern an einer bekannten Strassenkreuzung. Mit viel Glück wurde er jeweils für einen oder mehrere Tage angestellt. Doch nun ist dieses Unterfangen aussichtslos. Während er schon zuvor oft am Abend mit leeren Händen zur Familie zurückkehren musste, sitzt er nun in Sorgen vergraben zuhause und quält sich mit der Frage, wie er seine Grossfamilie ernähren soll.

Majeed und seine Frau Margaret machen sich auch um ihre fünf Kinder grosse Sorgen. Normalerweise besuchen sie alle die CSI-Slumschule in Karatschi. Doch wegen der Ausgangssperre musste der Schulbetrieb bis auf Weiteres geschlossen werden. Den Kindern bleibt nichts anderes übrig, als in ihrer kleinen Behausung auszuharren. Selbst die älteste Tochter Miriam, die eine wunderschöne Stimme hat, kann derzeit nicht in ihrem geliebten Kirchenchor mitsingen.

Hilfe für die Schwächsten

Die CSI-Partner in Pakistan setzen alles daran, die Not der verletzlichsten Menschen zu lindern. Die Verantwortlichen der CSI-Schule in Karatschi haben deshalb Nahrungsmittelpakete an 100 schwer betroffene Familien verteilt, die wegen der Massnahmen gegen die Corona-Pandemie keine Arbeit mehr haben. Die Lebensmittel sollten für zwei Wochen ausreichen.

Ein besorgter CSI-Projektpartner aus Pakistan schrieb vor einigen Tagen: «Bald ist Ostern. Doch wie sollen sich die Menschen auf das Auferstehungsfest freuen, wenn sie nicht einmal genug zu essen haben?» Die CSI-Verteilaktion ist gerade jetzt vor Ostern für die schwächsten Opfer der Corona-Krise ein kleiner Silberstreifen am Horizont.

Reto Baliarda

Quellen: CSI-Projektpartner, uscirf, thenation.com.pk, anadolu agency

Hier können Sie für die verletzlichsten Opfer der Corona-Pandemie spenden, vielen Dank.

 

 

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