Das Lachen trotz traumatischer Ereignisse nicht verloren

02. März 2018

Adut Mathok Aguer war gerade mal 15-jährig, als sie von arabischen Milizen aus dem Sudan entführt und versklavt wurde. 18 Jahre lang wurde sie als Sklavin tagtäglich misshandelt und erniedrigt. Durch die Befreiung wurde ihr ein neues Leben geschenkt.



Aduts Blick ist ernst und schüchtern, als sie zu Beginn der CSI-Befreiungsaktion im nördlichen Südsudan begrüsst wird. Wen wundert es? Sie hat fast zwei Jahrzehnte lang als Sklavin Schreckliches durchgemacht. Doch sie ist gerne bereit, mit dem CSI-Team vor Ort über ihre erschütternde Vergangenheit zu sprechen.

Überfallen und eingekreist

Adut wuchs in einem kleinen Dinka-Dorf auf. Obwohl ihre Eltern als Bauern nur knapp über die Runden kamen, erlebte das junge Mädchen eine glückliche Kindheit. Sie ging mit ihrer Mutter gerne Brennholz sammeln, das zum Kochen verwendet wurde. Auch im Haushalt war sie behilflich.

Es war ein heisser Tag in der Trockenzeit, als arabische Milizen auftauchten und Aduts Dorf umzingelten. «Alle, die zu fliehen versuchten, wurden erschossen», erinnert sich die Südsudanesin an den fürchterlichen Tag, der ihr Leben veränderte. Ein sudanesischer Araber schritt direkt auf die verängstigte Adut zu, packte sie an den Händen und trennte sie gewaltsam von ihren Eltern. «Ich weiss bis heute nicht, was mit Vater und Mutter passiert ist», fügt sie traurig hinzu.

Die Entführung in den Norden dauerte mehrere Tage und war für Adut ein einziges Trauma. Immer wieder wurde sie von den brutalen Kämpfern vergewaltigt. Zu essen erhielten sie und die anderen Verschleppten nur sehr wenig. Der Gedanke, zu fliehen, begleitete sie die ganze Zeit. Doch die Angst vor der Grausamkeit der Entführer hielt sie davon ab: Zwei Männer aus ihrem Dorf, die einen Fluchtversuch gewagt hatten, wurden vor den Augen der Entführten getötet.

Ständigen Demütigungen ausgesetzt

Die Entführung endete in einem kleinen Dorf im Sudan. Adut wurde einem Mann namens Dhouelbed Ali übergeben, der fortan mit seiner neuen Sklavin machen konnte, was ihm beliebte. Er hatte vier Frauen und viele Kinder. Adut musste für die Grossfamilie das Haus reinigen und den Esel zum Brunnen führen. Doch sie konnte sich noch so bemühen, ihre Aufgaben gut zu erfüllen. Es half nichts. Jeden Tag wurde sie von der Grossfamilie beschimpft, angeschrien und misshandelt. Dhouelbed veranlasste gar, dass Adut beschnitten wurde. «Er meinte, dass ich so eine bessere Muslima sein würde», erklärt sie. Doch die Beschneidung bedeutete für sie vor allem, ständig Schmerzen ertragen zu müssen. Dies vor allem, wenn Dhouel- bed sie vergewaltigte, was sehr oft vorkam.

Eine Begegnung mit unerwarteten Folgen

Verachtung, Schikane und Tortur prägten 18 Jahre lang den Alltag der verzweifelten Sklavin. Als sie eines Tages zum Markt der Kleinstadt Adila ging, geschah etwas Unerwartetes. Ein Sklavenbefreier, der für CSI arbeitet, kam mit seinem Team auf Adut zu und bot ihr an, sie nach Hause in den Südsudan zu begleiten. «Nichts wäre mir lieber. Doch wird mich Dhouelbed ziehen lassen?» entgegnete sie. Daraufhin ging der Befreier zum Sklavenhalter. Worüber die beiden verhandelten, erfuhr Adut nicht. Kurz darauf konnte sie mit dem Befreier und anderen, ehemals versklavten Dinkas mitgehen. Adut konnte ihr Glück kaum fassen. Am 28. September 2017 wurde ihr ein neues Leben als freier Mensch geschenkt.

Unterwegs wurde Adut sehr gut behandelt. Der Sklavenbefreier kaufte ihr ein neues Kleid und gab ihr genug zu essen. Nach wenigen Tagen erreichte sie ihre Heimat.

«Ich bin überglücklich, wieder im Südsudan zu sein und mein Leben nun selbst in die Hand nehmen zu können», drückt sie ihre grenzenlose Freude aus. CSI hilft ihr dabei mit einem Startsack, einem Lebensmittelpaket und ganz besonders mit einer Milchziege, die Adut eine langfristige Lebensgrundlage bietet.

Reto Baliarda

 

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Projekt Südsudan