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Ein Freudenfest im Slum

19. März 2014

Inmitten vom Dreck und Elend eines pakistanischen Slums öffnet eine neue Schule ihre Pforten. Hier bekommen Kinder die Chance, der Armut und Hoffnungslosigkeit zu entfliehen. Ein CSI-Team reiste zur Eröffnung.



Beissender Gestank empfängt uns, als wir im christlichen Slum einer pakistanischen Millionenstadt aus dem Fahrzeug steigen. Viele nutzen das Quartier der Christen, um hier ihren Müll abzuladen. Über 4000 Familien leben hier, darunter auch einige muslimische Familien. Die Ärmsten unter den Slumbewohnern suchen auf den Strassen nach Essensresten, um ihre Familien zu ernähren. Für viele Slumbewohner ist es undenkbar, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Die Schulgebühren sind für sie unbezahlbar. Doch ohne Schulbildung bleibt auch die nächste Generation in Armut gefangen.

Heute, am Morgen des 20.  Februar 2014, soll sich etwas ändern. Wir sind angereist, um der Eröffnung einer neuen Slumschule beizuwohnen, deren Bau vor nicht einmal einem Jahr begann. Unsere Projektpartner vor Ort haben ganze Arbeit geleistet. Wir stehen vor einem grossen, neuen Gebäude, das sich sauber von dem Unrat der Strasse abhebt.

Sicherheit wird gross geschrieben an diesem speziellen Tag. Bereits am Morgen kommt eine militärische Spürtruppe, die das Gebäude auf Bomben hin untersucht. Polizeibeamte sind vorgefahren und haben mit der Waffe in der Hand Stellung bezogen, damit die Feierlichkeiten ungestört beginnen können. Pünktlich um vier Uhr nachmittags ist es soweit, CSI-Präsident Herbert Meier und Geschäftsführer Benjamin Doberstein durchschneiden ein vor dem Schultor gespanntes Band, enthüllen den Eröffnungsstein und steigen die Treppenstufen zur Aula im zweiten Stockwerk hinauf. Von oben lassen Kinder rote Rosenblätter auf die Gäste rieseln, ein festlicher Brauch.

Bildung für die Ärmsten der Armen

In Pakistan, einem Land, in dem über 96  % der Bevölkerung muslimisch ist und wo sich seit einigen Jahren viel Verachtung und Hass gegen das Christentum angestaut haben, ist es für Christen nicht leicht, aus dem Teufelskreis von Analphabetismus, Armut und Hoffnungslosigkeit auszubrechen. Gerade in den Millionenstädten leben sie oft eng zusammengedrängt in Slums und ihre Kinder können nur wenige Klassen der staatlichen Schulen besuchen, in denen sie diskriminiert und manchmal sogar bedroht werden.

Pastor Latif (Name geändert), unserem Projektpartner in Pakistan, ging dieser Notstand besonders zu Herzen und er begann, sich um die Ausbildung christlicher Slumkinder zu kümmern. Die neue Schule ist bereits die dritte, die unter seiner Leitung die Pforten für die Ärmsten der Armen öffnet. Bisher versammelten sich die mehreren 100 Schüler abwechselnd in drei Schichten im Obergeschoss des Hauses von Pastor Latif, wo sie in Rechnen, Lesen, Schreiben und weiteren Fächern unterrichtet wurden. Mitten im Unrat des Armenviertels ist besonders der Unterricht in Hygiene und Sauberkeit wichtig, um Krankheiten zu vermeiden. Auch das Zusammenleben von Christen und Muslimen wird gefördert. Obwohl es eine ausdrücklich christliche Schule ist, schicken auch manche muslimische Eltern ihre Kinder dorthin. Das baut Vorurteile auf beiden Seiten ab.

«Wir sind so glücklich»

Heute wird das neue Gebäude, in dem alle genug Platz haben werden, mit einem Festakt eröffnet. In der Aula haben die Schulkinder, ihre Eltern, Lehrer und Lehrerinnen sowie Pfarrer verschiedener Konfessionen bereits Platz genommen. Die Kinder singen das Lied «Wir sind so glücklich, wirklich glücklich, weil Jesu Liebe in unsern Herzen wohnt» und schwenken bunte Stanniolgirlanden.

Gerührt fasst Herbert Meier seine Eindrücke in einem Grusswort zusammen. «Das ist wirklich eine grosse Freude für mich, eure Energie, eure Zielstrebigkeit und eure

Überzeugung in der Nachfolge von Christus und die Arbeit für ihn hier mitzuerleben.» Projektleiter Gunnar Wiebalck gibt einen kurzen Überblick zur Entstehungsgeschichte der Schule und würdigt die treue Unterstützung durch CSI-Freunde in der Schweiz und anderen Ländern.

Dann werden die Gäste aus der Schweiz von zahllosen Eltern umringt, die ihrer Dankbarkeit Ausdruck geben wollen. «Diese Schule ist genau das, was hier gebraucht wird», sagt ein stattlicher Pakistaner in weissem Leinenanzug und schüttelt ausgiebig unsere Hände. Ein anderer, der Familienvater Bashir, ist gerührt. «So etwas haben wir hier noch nie gesehen», sagt er. «Hier ist ein Traum Wirklichkeit geworden. Gott hat uns durch Sie ein grossartiges Geschenk gemacht, ein wundervolles Gebäude. Wir sind zutiefst dankbar».

Autoren: Gunnar Wiebalck | Benjamin Doberstein

 


 

Hilfe für Terroropfer

Am 22.  September 2013 wurde die Allerheiligenkirche von Peschawar nahe der afghanischen Grenze zum Ziel von zwei Selbstmordattentätern  der Taliban. Es war der schlimmste Anschlag auf Christen seit der Staatsgründung: Mehr als 120

Menschen verloren ihr Leben, zahlreiche Kinder wurden zu Waisen, viele wurden schwer verletzt und verkrüppelt. Noch jetzt, ein halbes Jahr nach dem Anschlag, sind zahlreiche Menschen ans Bett gefesselt, weil sie keine ausreichende medizinische Versorgung erhalten haben. Der 17-jährigen Kashmala musste zum Beispiel das rechte Bein amputiert werden und das linke ist ebenfalls schwer in Mitleidenschaft gezogen. Eine erneute Operation am linken Bein und eine Prothese kann sich ihre Familie nicht leisten. Für Kashmala und andere Schwerverletzte übernimmt CSI die Kosten für die medizinische Behandlung. An die Bedürftigsten werden Lebensmittelpakete und Decken verteilt.

 

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