Eine Oase des Friedens für Flüchtlingskinder

24. April 2017

Die «Child Friendly Space» von Schwester Sara und ihrem Team bietet 50 Flüchtlingskindern in einer freundlichen Atmosphäre einfachen Schulunterricht an. Ausserhalb dieser Oase des Friedens müssen viele Kinder täglich mehrere Stunden arbeiten, um ihre Familien über die Runden zu bringen.



Im Schulhof des Konvents von Schwester Sara begegnet CSI-Projektleiter John Eibner dem neunjährigen Mahmoud aus Aleppo. Wegen des Krieges musste seine Familie nach Tartus an die Mittelmeerküste fliehen. Durch Freunde wurde er auf die «Child Friendly Space» aufmerksam. Mahmoud ist froh, dass er die Chance erhalten hat und hier zwei Mal in der Woche in Lesen, Schreiben oder auch Rechnen unterrichtet wird. Das lenkt ihn auch etwas vom harten Alltag ab. «Mein Vater ist gestorben. Meine Mutter muss sich um die zwei jüngeren Geschwister kümmern», erzählt er.

Chance für benachteiligte Kinder

Um die Familie über Wasser zu halten, verkaufen Mahmoud und sein älterer Bruder den Passanten auf den Strassen Süssigkeiten. «Mit dem verdienten Geld bezahlen wir auch die Wohnungsmiete» erklärt er und fügt an, dass er zusammen mit seinem Bruder täglich umgerechnet rund acht Franken einnimmt. Das ist immerhin mehr als die Rente, die viele pensionierte Syrer vom Staat erhalten.

Der militärische Konflikt und die Wirtschaftssanktionen des Westens haben zum Zusammenbruch von Syriens Ökonomie geführt. Deshalb müssen viele geflüchtete Kinder wie Mahmoud mehrere Stunden am Tag arbeiten. Dass er selbst ins «Child Friendly Space»-Programm von CSI-Partnerin Schwester Sara aufgenommen wurde, verdankt er auch dem Umstand, dass er aus einer kinderreichen Familie stammt. «Da die Platzverhältnisse und die Kapazitäten der freiwilligen Helfer beschränkt sind, müssen wir bei der Aufnahme von Kindern auf bestimmte Kriterien achten. Eines davon ist, dass die Begünstigten aus armen Familien mit mindestens drei Kindern stammen», erklärt Schwester Sara. Auch seien die Hälfte der betreuten Kinder Analphabeten, während die anderen offensichtliche schulische Defizite mitbringen.

Muslimische Eltern lassen sich überzeugen

Den Kontakt zu den Kindern und deren Eltern stellen Schwester Sara und ihr Team in den Zentren für intern vertriebene Syrer her. Die meisten Kinder stammen aus einem muslimischen Elternhaus. Oft würden diese Eltern den Wert einer Schulbildung nicht kennen. «Zudem möchten viele Väter nicht, dass ihre Tochter in einer gemischten Klasse unterrichtet wird», berichtet ein Mitarbeitender. Dennoch gelingt es Schwester Sara und ihrem Team immer wieder, das Vertrauen dieser Eltern zu gewinnen. Der gute, verlässliche Ruf von Schwester Sara hat sich auch unter den geflüchteten Muslimen herumgesprochen. Zudem trauen sie einer religiösen Persönlichkeit mehr als den staatlichen Schulen, selbst wenn es sich um eine Christin handelt.

Traumatisches erlebt

Es ist wichtig, dass die betreuten Kinder eine entspannte Atmosphäre erleben können. Denn viele von ihnen sind durch die Grausamkeit des Krieges traumatisiert. Auch die achtjährige Rania aus Aleppo hat Schreckliches erlebt. Gegenüber John Eibner berichtet ein Helfer: «Terroristen schlugen Rania, weil sie ohne Hidschab durch die Strassen lief.» Zudem wurden junge Mädchen wie sie ständig von Rebellen kontrolliert, ob sie etwa Parfüm verwendet oder ihre Fingernägel lackiert hätten. Einmal musste Rania mitansehen, wie die Rebellen ein Mädchen töteten, weil ihr Verhalten und Aussehen nicht ihren strengen religiösen Vorstellungen entsprach.

Im «Child Friendly Space» gewinnen Schwester Sara und ihr Team das Vertrauen der Kinder, sodass diese ihnen auch traumatische Erinnerungen offenbaren. Dies ist ein erster wichtiger Schritt, um das Erlebte zu verarbeiten. Ein Mädchen, das regelmässig vorbeikommt, sagte einmal: «Ich fühle mich hier so wohl, als ob ich frische Luft atmen würde.» Judy, ein anderes Mädchen, ist vom Angebot und der Atmosphäre begeistert: «Wir lernen hier lesen, schreiben und können auch eigene Lieder kreieren. Die Leute von ‹Child Friendly Space› bringen uns ausserdem bei, nicht schlecht über andere zu reden und niemanden zu schlagen.»

 

Reto Baliarda

 

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