Freiheit für einen der sieben gefangenen Christen

23. Mai 2019

Nach zehn Jahren Haft ist Gornath Chalanseth endlich frei. Der indische Christ wurde am 21. Mai 2019 gegen Kaution aus dem Gefängnis in Phulbani entlassen. Chalanseth und sechs weitere Christen werden für den Mord an einem Hindu-Guru in Kandhamal 2008 verantwortlich gemacht, was eine grausame Christenverfolgung auslöste. Die Freilassung wurde dank der indischen Anwältin Arora und ihrem Team möglich.



Eine jahrelange Ungerechtigkeit ist zu einem vorläufigen Ende gekommen: Nachdem Indiens Oberstes Gericht am 9. Mai 2019 die Freilassung für Gornath Chalanseth gegen eine Kaution von umgerechnet 700 Franken angeordnet hatte, öffneten sich für ihn am 21. Mai 2019 endlich die Gefängnistore in Phulbani, Distrikt Kandhamal (Bundesstaat Odisha). Chalanseth wird zusammen mit sechs weiteren Christen des Mordes an Hindu-Guru Swami Laxmanananda Saraswati vom 23. August 2008 beschuldigt. Nach jahrelanger Untersuchungshaft wurden die sieben Christen am 3. Oktober 2013 von einem Gericht im Bundesstaat Odisha zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Arora: «Unendlich dankbar»

Chalanseths Freilassung ist ein grosser Erfolg für Anwältin Arora und ihr Team. Zusammen mit Rebecca John, einer der renommiertesten Anwältinnen Indiens, hatten sie den Christen aus einfachen Verhältnissen am Obersten Gericht vertreten, wie Arora gegenüber CSI erklärt. «Ich bin unendlich dankbar, dass Gornath nach zehn Jahren das Gefängnis verlassen konnte. Ihm war ein fairer Prozess verwehrt worden, obwohl dies in Indien ein elementares Menschenrecht ist», betont sie.

Die Wiedervereinigung nach über zehn Jahren war für Gornath Chalanseth und seine Familie ein unbeschreiblich emotionaler Moment, bei dem Erleichterung und grenzenlose Freude überwogen. Noch im November 2018 hatte CSI in Kandhamal die Frauen von sechs der sieben Christen getroffen, darunter auch Chalanseths Frau Rutha und Sohn Nithaniyal, der relativ gut Englisch spricht. Damals war die Stimmung äusserst gedrückt.

Auch die anderen Christen bald frei?

Die Erleichterung über Chalanseths Freilassung ist riesig. Doch wie steht es um die anderen sechs unschuldigen Christen, um Bijay Kumar Sunseth, Budhadeb Nayak, Bhaskar Sunamajhi, Durjo Sunamajhi, Munda Badmajhi und Sanatan Badmajhi? Dazu Anwältin Arora: «Wir vertreten ausschliesslich Gornath Chalanseth. Die weiteren sechs Christen werden durch andere Anwälte betreut. Wir gehen jedoch davon aus, dass sie im Sinne der Gleichbehandlung ebenfalls bald gegen Kaution freigelassen werden sollten.»

Trotz der Freilassung ist die Anklage gegen Chalanseth seit sechs Jahren beim Obergericht von Cuttack (Odisha) hängig. Laut Arora ist nicht bekannt, wann die gerichtliche Anhörung in Cuttack stattfinden wird. Hier bestehe auch keine Eile. Die indische Anwältin vermutet zudem, dass Gornath Chalanseth schlussendlich freigesprochen wird.

Aktionen von CSI für die Freilassung

CSI hat sich jahrelang für die Freilassung der sieben betroffenen Christen aus Kandhamal eingesetzt. Im Dezember 2013 forderte CSI in einem Protestartikel mit vielen Zuschriften den Gouverneur von Odisha dazu auf, für ein faires Verfahren zu sorgen. Am CSI-Tag 2017 in Zürich wurde eine Ermutigungs-Kartenaktion durchgeführt, bei der die Besucher die Karten auf der Rückseite gestalten und unterschreiben konnten. Die einzelnen Karten, die schliesslich an die sieben Christen gesendet wurden, waren als Puzzleteil präpariert, die zusammengefügt das Matterhorn mit der umliegenden Landschaft darstellten. Im Weiteren lancierte CSI an Weihnachten 2018 eine Kartenaktion für die sieben Gefangenen. CSI-Spender sandten handgeschriebene Ermutigungskarten an Gornath Chalanseths Sohn Nithaniyal.

Reto Baliarda

 


 

Ein Mord mit verheerenden Folgen

Obwohl sich Maoisten zum Mord an dem Hindu-Guru Swami Laxmanananda Saraswati am 23. August 2008 in Kandhamal bekannten, wurden Christen dafür beschuldigt, was ein verheerendes Massaker an Christen zur Folge hatte. Innert weniger Tage wurden über 100 Christen getötet und 54000 Menschen gewaltsam vertrieben. Darüber hinaus plünderten die marodierenden Hinduextremisten 8000 christliche Häuser, bevor sie diese niederbrannten. Auch wurden über 300 Kirchen zerstört.

 

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