• Irak

Entführte Christina ist wieder bei ihren Eltern

09. Juni 2017

Was für eine Freude! Die heute sechsjährige Christina Khader Ebada ist frei und konnte wieder zu ihren Eltern zurückgebracht werden. Das christliche Mädchen aus der irakischen Stadt Karakosch wurde im August 2014 von der Terrormiliz Islamischer Staat entführt. CSI hatte vor knapp zwei Jahren mit den damals verzweifelten Eltern gesprochen.



 

Es war einer der schwärzesten Tage für die Christen im Irak: Am 7. August 2014 überrannten IS-Terroristen die mehrheitlich christlichen Städte in der irakischen Ninive-Ebene, darunter auch die grösste und mittlerweile wieder befreite Stadt Karakosch. Die meisten Bewohner hatten am 7. August Karakosch  bereits verlassen. Doch der Familie von Christina fehlte die Kraft zur Flucht, vor allem, weil der Vater blind ist.

Die Tochter entrissen

Die beiden CSI-Vertreter Dr. John Eibner und Adrian Hartmann hatten Christinas Familie ein Jahr nach der Entführung des kleinen Mädchens in einem Flüchtlingslager im kurdischen Erbil getroffen. Mutter Nabia* schilderte damals die wohl schlimmste Zeit in ihrem Leben.

«Am 7. August 2014 wüteten IS-Dschihadisten in unserer Stadt. Sie schrien uns an, dass wir verschwinden sollten. Doch wie? Wir hatten kein Auto und mein Mann ist blind. Immer wieder klopften sie an unserer Tür und jagten uns Angst ein. Einmal forderten sie uns auf, zum Islam zu konvertieren, was wir ablehnten.

Nach drei Wochen befahlen uns die IS-Kämpfer, das Haus zu verlassen. Zuerst mussten wir an einem IS-Checkpoint all unsere Wertsachen abgeben. Todesangst war mein ständiger Begleiter: Ich hatte Christina auf meinem Schoss. Immer wieder richteten die Dschihadisten das Gewehr auf uns.

Danach wurden wir in einen Bus gesteckt. Noch vor der Abfahrt kam plötzlich ein IS-Mann auf mich zu und entriss mir Christina. Voller Verzweiflung folgte ich ihm und flehte ihn an, mir meine Tochter zurückzugeben. Doch er drohte, mich zu erschiessen, wenn ich nicht zum Bus zurückkehren würde.»

Sie schrie nach ihrer Mutter

Etwa drei Wochen nach der Entführung von Christina – die Familie war vom IS ausgesetzt worden und nach Kurdistan geflüchtet – hatte die Mutter einen Anruf eines Islamisten erhalten: «Er hatte gesagt, dass Christina nach ihrer Mutter schreie, er sie aber nicht zurückbringen könne.» Schliesslich hatte Nabia den CSI-Vertretern ihr Herz ausgeschüttet: «Ich wünsche mir nichts Sehnlicheres, als Christina wieder in meine Arme schliessen zu können.»

Grenzenlose Dankbarkeit

Dieser innige Wunsch geht nun wie durch ein Wunder in Erfüllung. Wie Einheimische berichten, konnte das mittlerweile sechsjährige Mädchen von Spezialeinheiten der irakischen Armee befreit und am 9. Juni 2017 ihren überglücklichen Eltern übergeben werden. «Es war ein sehr glücklicher Moment. Wir tanzten vor Freude und klatschten singend in die Hände. Christina selbst wirkte etwas zurückhaltend bei dem grossen Rummel. Aber wir sind alle Gott unendlich dankbar, dass Christina wieder unter uns sein kann», erzählt eine anwesende Christin, im Ashti-Flüchtlingscamp in Erbil, wo die Familie des einst entführten Mädchens lebt. Nun will die Familie den Irak verlassen.

 

Reto Baliarda

Quellen: CSI, Worldwatchmonitor, Fides

*Name geändert

 

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Die kleine Christina vom IS verschleppt

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