Lichtblick für die Anschlagsopfer von Lahore

09. Juni 2016

Zwischen Leiden und Hoffen: Überlebende Opfer des Bombenattentats vom Ostersonntag versuchen, zurück ins Leben zu finden. Sie sind für die medizinische und materielle Unterstützung sehr dankbar.



Noch Anfang Mai 2016 hatte Pfarrer Latif in der Schweiz verschiedene Referate über die Christen in Pakistan gehalten. Kurz nach der Rückkehr in seine Heimat reiste er bereits wieder nach Lahore, um sich dort um die Verletzten des verheerenden Bombenanschlags vom Ostersonntag zu kümmern. Am 27. März 2016 waren in der Millionenstadt bei einem islamistischen Selbstmordanschlag mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen viele Kinder. Über 350 wurden verletzt.

«Niemand hier kann verstehen, warum unser Volk so schwer geprüft wird», schreibt Pfarrer Latif. «Ich durfte aber auch erfahren, dass das Mitgefühl und die Hilfe der Freunde von CSI die Opfer tief bewegen.»

Ihr Augenlicht wurde gerettet

Da ist zum Beispiel die 28-jährige Saima Shahzad. Sie überlebte mit einer schweren Verletzung am linken Auge. «Wir danken Gott, dass Saimas Augenlicht durch die von CSI finanzierte Operation gerettet werden konnte», schreibt Pfarrer Latif am 19. Mai. «Sie kann die Welt wieder mit beiden Augen sehen.» Schlimmer erging es dem Bruder von Saima Shahzad. Er verblutete nach dem Attentat.

Lebenslänglich auf Pflege angewiesen?

Auch Methab Masih, seine Frau Aneela und die drei Kinder Rabeca, Suleman und Yarmiah werden von CSI betreut. Während die Mutter und ihre Kinder mittlerweile genesen sind, benötigt Methab bis heute intensive Betreuung, die seinen Zustand etwas stabilisiert hat. Bei ihm hat sich ein Metallsplitter tief ins Gehirn gebohrt. Noch immer erkennt der Familienvater seine eigenen Kinder nicht und kann Arme und Beine nicht bewegen. Womöglich wird auch er lebenslange Pflege benötigen.

Ebenfalls kritisch ist der Zustand des 17-jährigen Irfan Patras, dessen 14-jähriger Bruder Sharoon ums Leben kam. Irfan, der im Ittefaq-Spital in Lahore betreut wird, musste vor kurzem wegen einer Darminfektion eine Operation über sich ergehen lassen. Seine Familie weicht nicht von seinem Krankenbett und ist für die Hilfe von CSI dankbar, ohne die Irfan nicht mehr am Leben wäre. CSI übernimmt die Kosten der medizinischen Betreuung inklusive Operationen von Irfan. «Für die Operationen setzen wir 3000 Dollar ein», erklärt Pfarrer Latif.

Lebensmittel für die Opfer

CSI hatte nach dem Anschlag vom Ostersonntag 30’000 Franken als Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Mittlerweile haben Pfarrer Latif und sein Team in Lahore mit der Verteilung von Lebensmittelpaketen begonnen. Damit soll auch die Existenzgrundlage der in wirtschaftliche Not geratenen Familien überbrückt werden. Die Unterstützung beim Überlebenskampf der christlichen Minderheit in Pakistan ist eine Aufgabe, die Opfern und Helfern viel Zuwendung und Durchhaltewillen abverlangt, aber auch reichen Segen schenkt.

Gunnar Wiebalck, Projektleiter Pakistan


 Fallen Kirchen der U-Bahn zum Opfer?

Kaum waren die Opfer des verheerenden Ostersonntag-Anschlags in Lahore begraben, erreichte die Christen der Stadt eine weitere niederschmetternde Nachricht. Nach einer Entscheidung der Provinzregierung von Punjab stehen vier historische Kirchen der Stadt einer geplanten U-Bahnstrecke im Weg. Am 3. Mai 2016 versammelten sich Hunderte von Christen vor dem Obersten Gerichtshof von Lahore. Unter Lebensgefahr protestierten sie gegen den drohenden Abriss ihrer Kirchen. Daraufhin liessen die Behörden von Lahore verkünden, dass die vier Kirchen durch das U-Bahn-Projekt nicht tangiert würden. Es würden lediglich Teile der Kirchengrundstücke fürs Lagern des Baumaterials und den Platz für die Treppe verwendet. Doch die Christen in Lahore bleiben misstrauisch.


CSI hilft Anwar auf zwei Beine

Im CSI-Magazin vom März 2016 berichteten wir über Anwar. Vor einem Jahr hatte er bei einer Protestaktion gegen die Tötung von Christen ein Bein verloren, weil er von einem Auto angefahren worden war. Nachdem er monatelang auf einem Friedhof dahinvegetierte, konnte er sich wieder aufraffen und eröffnete ein Schustergeschäft.

In der Ausgabe vom März äusserte Anwar seine Hoffnung: «Wenn es Gottes Wille ist, stehe ich eines Tages wieder auf zwei Beinen.» Diese Hoffnung ging nun in Erfüllung: Mit Hilfe einer von CSI finanzierten Beinprothese kann er sich nun auf zwei Beinen fortbewegen.

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