• Sri Lanka

Neuer Präsident soll Wende bringen

24. April 2015

Seit Jahren greift in Sri Lanka ein national-religiöser Extremismus um sich. Religiöse Minder­heiten, in erster Linie Christen und Muslime, werden Opfer von Diskriminierung und Gewalt. Bitte ermutigen Sie den neuen Präsidenten, sich für religiösen Frieden und Rechtsstaatlichkeit einzusetzen.



In Sri Lanka konnten ethno-religiöse, faschistische Bewegungen wie Bodu Bala Sena (BBS; Buddhistisches Machtzentrum) und Sinhala Ravaya (Singhalesisches Löwengebrüll) bisher weitgehend ungehindert gegen die religiösen Minderheiten wüten. Die buddhistischen Extremisten fördern mit ihren fanatischen Kampagnen ein Klima von Misstrauen und Hass, insbesondere gegen Muslime und Christen. Immer wieder kommt es auch zu gewaltsamen Übergriffen. Aufgewiegelte Volksmengen, die nicht selten von buddhistischen Mönchen aus dem Umfeld des BBS angeführt werden, greifen immer wieder Kirchen, Moscheen und Angehörige der religiösen Minderheiten an (siehe Kasten).

Buddhismus bevorzugt

Das Potenzial für religiöse Spannungen ist gross. In Sri Lanka gehören etwa 30% der Bevölkerung einer religiösen Minderheit an. Dabei machen Hindus 12%, Muslime 10% und Christen etwa 7% der Bevölkerung aus. Dessen ungeachtet pochen die buddhistischen Extremisten darauf, dass Sri Lanka eine buddhistische Nation sei.

Tatsächlich räumt die Verfassung dem Buddhismus eine vorrangige Stellung ein und verpflichtet den Staat, die buddhistische Lehre zu schützen und zu fördern (Artikel§10). Im selben Artikel wird jedoch auch ausdrücklich festgehalten, dass die Religionsfreiheit der anderen Religionsgemeinschaften im Lande dabei nicht beeinträchtigt werden darf.

Unter der von 2005 bis Anfang 2015 dauernden Präsidentschaft von Mahinda Rajapaksa liessen Armee und Polizei den buddhistischen Extremisten weitgehend freie Hand oder kooperierten sogar mit ihnen. Polizei und Behörden reagierten bei Übergriffen auf religiöse Minderheiten nur unzureichend, entsprechende Straftaten wurden nicht angemessen verfolgt.

Neuer Präsident verspricht Verbesserung

Der Anfang 2015 neu gewählte Präsident, Maithripala Sirisena, versprach unter Bezugnahme auf die universelle Erklärung der Menschenrechte, der Drangsalierung von Nichtbuddhisten ein Ende zu setzen: «Wir glauben an religiöse Toleranz und Koexistenz», sagte er. Die ersten Anzeichen sind vielversprechend. Teil des von Präsident Sirisena aufgestellten 100-Tage-Plans für die neue Regierung ist ein Verbot extremistischer Gruppierungen, die Hass und Gewalt gegen religiöse Minderheiten befeuern.

Doch mit einem solchen Gesetz alleine ist es nicht getan. Die Regierung ist herausgefordert, aktiv für den Schutz von religiösen Minderheiten und für ein friedliches Zusammenleben der Religionen in Sri Lanka einzutreten. Nehmen wir den neuen Präsidenten Sirisena beim Wort und ermutigen ihn in der Umsetzung seines Versprechens. 

Max-Peter Stüssi | Benjamin Doberstein

 


Beispiele von brutalen Übergriffen im Jahr 2014

12.Januar: In der Küstenkleinstadt Hikkaduwa verwüstet eine aufgebrachte Volksmenge von 200 bis 300 Personen zwei Kirchen und ein Gebetszentrum. Der Mob wird von über einem Dutzend buddhistischer Mönche angeführt.

12.Mai: In Madu, im nordwestlichen Distrikt Mannar, werden ein Pastor und drei weitere Christen von 40 Eindringlingen spitalreif geschlagen. Das Fahrzeug des Pastors wird schwer beschädigt.

15.Juni: Bei einem Anschlag in den Städten Aluthgama und Beruwela an der Südküste finden drei Muslime den Tod, mindestens 80 weitere Muslime werden verletzt, sieben von ihnen müssen ins Spital. Ferner werden drei Moscheen niedergebrannt und Hunderte von Häusern und muslimischen Einrichtungen verwüstet.

19.Juni: Der gemässigte buddhistische Mönch und Menschenrechtler Watareka Vijitha, der sich an führender Stelle für Religionstoleranz auf Sri Lanka einsetzt, wird im Bezirk Bandaragama auf offener Strasse spitalreif geschlagen und gefesselt liegen gelassen.

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