Professor Hannibal Travis Drohender Genozid im Nahen Osten

07. Mai 2013

Im Rahmen der CSI-Diskussionsreihe „The Future of Religious Minorities in the Middle East“ sprach am 2. Mai der Genozidexperte Professor Hannibal Travis in Zürich über die Prävention eines Völkermords im Nahen Osten. Der Rechtsprofessor von der Florida International University kritisierte die systematische Parteilichkeit der UNO.



Lässt sich ein Völkermord im Nahen Osten durch die internationale Gemeinschaft verhin-dern? Inspiriert von der Genozidwarnung, die CSI im vergangenen Jahr für den Nahen Osten aussprach, hielt Rechtsprofessor Hannibal Travis, der mehrere Bücher zum Genozid im Na-hen Osten und in Afrika verfasst hat, am 2. Mai in Zürich einen Vortrag zu Möglichkeiten der Genozidprävention.

„Die Türkei ist kein gutes Modell“

 Im Zuge der Umwälzungen in der arabischen Welt neige die internationale Gemeinschaft dazu, die Türkei als wirtschaftliches und politisches Leitbild für eine freiheitliche und demo-kratische Entwicklung der Region zu betrachten. Im Falle der Menschenrechte, und beson-ders der Religionsfreiheit, liefere die Türkei jedoch kein brauchbares Modell, betonte Travis. Der Völkermord an den armenischen und assyrischen Christen von 1915 wird von der türki-schen Regierung bis heute weder anerkannt, noch wurden die Opfer und ihre Nachkommen entschädigt. Kulturelle und religiöse Stätten wurden nicht wieder aufgebaut oder wurden umbenannt, um so ihren christlichen Charakter zu verleugnen; ihre Bewohner wurden daran gehindert, zurückzukehren. „Heute leben in der Türkei weniger Christen, als in Deutschland Juden,“ sagte Travis.

Währenddessen unterstützt die Türkei weiterhin aktiv die Rebellen in Syrien und vernachläs-sigt es beharrlich, die Gewalt gegen die religiösen Minderheiten der Region zu verurteilen. Radikal-islamistische Gruppen, die sich den Rebellen angeschlossen haben, bedrohen die Existenz der indigenen christlichen Völker, und so könnte sich in Syrien wiederholen, was im Irak geschah, als über die Hälfte der christlichen Bevölkerung fliehen musste.

Mangel an politischem Willen bei der UNO

„Die Voraussetzungen für einen erneuten Völkermord an den religiösen und ethnischen Min-derheiten des Nahen Ostens sind gegeben“, warnte Travis. Leider sei die UNO jedoch nicht in der Lage, effektiv gegen diese Entwicklung vorzugehen. „Dazu fehlt es bisher an politischem Willen.“ Zu den Gründen dafür gehören die Rivalität zwischen einigen der ständigen Mitgliedstaaten des Sicherheitsrates und der wachsende Einfluss, den die Türkei als NATO-Mitglied und führender Staat der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), sowohl im Westen als auch in der islamischen Welt ausübt. Es sei notwendig, mehr Transparenz und Partizipation in den UN-Gremien zuzulassen, um Verstösse gegen Menschenrechte effektiver zu ahnden.


 

Der Vortrag war Teil der CSI-Diskussionsreihe „The Future of Religious Minorities in the Middle East“.

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Geschäftsführer  CSI-Schweiz Benjamin Doberstein
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